Photokina 2018 Rundgang Teil 2

It’s Photokina-Time! Gestern im ersten Teil waren wir bei Canon, Nikon, Leica, Panasonic, Olympus und haben uns die Fotoausstellungen auf der Messe angeschaut. Heute im zweiten Teil geht es weiter zu Sony, Tamron, Laowa, Sigma, Samyang, Voigtländer, Fujifilm, verschiedenen Fototaschen und es gibt mein Fazit zur Photokina.

Das große Thema der Photokina 2018 sind die neuen Mirrorless-Fotosysteme Canon RF, Nikon Z und die L-Mount Alliance (mehr dazu im ersten Teil). Aber der Pionier dieser Bewegung ist Sony, denn sie haben mit der A7-Serie diese Revolution der Kleinbildkameras und die Abkehr von der DSLR erst möglich gemacht.

Sony scheint die neue Konkurrenz recht entspannt zu sehen. Sie haben auf der Photokina keine neue Kamera vorgestellt. Das können sie sich leisten, denn sie sind mit der A7III und A7RIII verdammt gut aufgestellt. Außerdem haben sie für ihr FE-Mount in den letzten Jahren schon ein sehr umfangreiches Objektivangebot heraus gebracht. Derzeit gibt es von Sony 48 FE-Objektive und sie haben nun verkündet, dass es im Laufe das nächsten Jahres 12 mehr, also 60 FE-Objektive sein werden.

Übrigens hat Sony auch noch APS-C Kameras und Objektive im Angebot, die das gleiche E-Bajonett nutzen und so untereinander kompatibel sind. Das ist etwas, was weder Canon RF noch Nikon Z noch L-Mount bieten können.

Natürlich gab es auch ein paar Fotoserie zu sehen, hier von den Sony Ambassadors. Sony betreibt aber auch den weltgrößten Fotobewerb, die Sony World Photo Awards, die ich mir letztes Jahr in Berlin angeschaut habe.

Außerdem hat Sony die Spezifikationen des E-Bajonetts offengelegt, sodass es Drittherstellern einfach gemacht wurde auch Objektive für diesen Anschluss anzubieten.

Das Tamron FE 28-75/2.8 ist eine gute und recht handliche (und günstigere) Alternative zum Sony FE 24-70/2.8. Allerdings war ich beim Ausprobieren etwas überrascht, dass der Autofokus eine Fehlfunktion hatte und im Sucher um den Schärfepunkt herum vor- und zurück sprang. Ich bin gespannt, was Tamron noch an FE-Objektiven herausbringen wird. Leider ließ sich Tamron zu weiteren Plänen keine Infos entlocken.

Laowa, auch bekannt als Venus Optics, macht es sich da einfach und bringt ihre FE-Objektive ohne elektronischen Anschluss und ohne Autofokus. Dafür sind die optischen Rechnungen ihrer Objektive umso spannender. Auf der letzten Photokina hatte ich das Laowa 15/2.0 ausprobiert und dieses Mal habe ich das Laowa 10-18/4.5-5.6 an meine Kamera geschraubt.

Wahnsinn, wie man so einen extremen Weitwinkel konstruieren kann und das dann auch noch in so einem kompakten Objektiv unterbringt. Das FE 10-18 ist ein tolles Beispiel, wie das kurze Auflagemaß von Mirrorless-Systemen für einen Vorteil bei der Konstruktion von Weitwinkelobjektiven sorgt.

Überhaupt nicht handlich sind die Sigma Art-Objektive. Sie sind auch für das längere Auflagemaß von DSLRs konstruiert worden und nur für das FE-Mount angepasst, daher auch der verlängerte Objektivanschluss. Aber sie glänzen mit enormer Lichtstärke. Ich habe das 105/1.4 ausprobiert. Die Freistellung bei Offenblende ist der Hit, aber das Objektiv ist doch schon ein heftiger Klumpen.

Auch die anderen Objektive der Art-Serie sind definitiv nicht auf Kompaktheit ausgelegt. Neu hinzugekommen ist das Sigma 40mm f/1.4 DG HSM. 40mm scheint gerade eine Brennweite zu sein, die Trend liegt. Ich mag diese Brennweite auch. Aber diese Festbrennweite hat 82mm Filter, 131mm Länge und 1,2kg Gewicht… das ist einfach viel zu viel, finde ich. In Laufe das nächsten Jahres werden dann die Objektive auch mit L-Mount erscheinen, denn Sigma gehört zur L-Mount Alliance. Sie werden aber auch weiter FE-Objektive anbieten.

Tokina hat mit der Firin-Serie auch FE-Objektive im Angebot. Im letzen Jahr in Zingst hatte ich das Firin 20/2.0 MF ausprobiert. Nun gibt es ein Firin 20/2.0 AF, das ich ausprobieren konnte. Ich mag das Objektiv, es ist nicht zu groß und mir gefällt die Brennweite. Allerdings wirkte der AF auf mich recht langsam, er brauchte recht lang um zwischen nah und fern zu wechseln. Angeblich soll als nächstes ein 100/2.8 Makro erscheinen und die Firin-Serie erweitern.

Samyang ist ein weiterer Dritthersteller für Objektive. Während sie in der Vergangenheit diverse Objektive im Angebot hatten, die alle voll manuell waren, so bieten sie nun zunehmend AF-Objektive an. So gibt es diese beiden lichtstarken Festbrennweiten mit AF mit 35mm und 50mm für den Sony FE-Anschluss.

Außerdem gibt es noch das FE 14/2.8 sowie zwei FE-Pancakes mit 24mm und 35mm im Angebot, wenn man mal kompakt unterwegs sein möchte.

Als nächstes geht es zu Voigtländer. Sie haben ein paar tolle FE-Objektive, allerdings alle ohne AF.

Das Voigtländer FE 40/1.2 finde ich toll. Kompakte Abmessungen und hohe Lichtstärke, so muss ein Festbrennweite sein. Übrigens hat Paddy gerade ein Review dazu veröffentlicht.

Dieses Objektiv steht kurz vor der Veröffentlichung: das Macro-APO-Lanthar 110/2.5. Ich denke es wird die Nachfolge des legendären Macro-APO-Lanthar 125/2.5 antreten. Erstaunlicherweise ist das 110/2.5 sogar ein klein wenig kompakter als das Macro 60/2.0.

Schließlich ging es zu Fujifilm. Während überall von Mirrorless im Kleinbildformat die Rede ist, macht Fuji sein Ding. Sie haben zwei erfolgreiche Mirrorless-Systeme im Angebot: das X-System mit APS-C-Sensor und das G-System mit Mittelformat-Sensor. Die Fuji X-T3 führt die X-Serie fort und wird sich sicher großer Beliebtheit erfreuen. Die GFX-50R ist eine interessante und für Mittelformat-Verhältnisse recht günstige Kamera (4500 Euro). Klein ist sie sicher nicht, aber mit dem 63/2.8 wäre das schon eine verlockende Kombi. Immerhin ist der Bildsensor 70% größer als bei Kleinbild (Crop 0,8).

Für die Fuji X-Serie gibt es inzwischen ein umfangreiches Objektangebot mit vielen guten Linsen. Das Angebot wird immer weiter ausgebaut.

Was ist das? Der russische Anbieter Zenit präsentiert eine Sucherkamera mit 35/1.0 Objektiv. Huch, das muss ich doch mal ausprobieren. Kaum hatte ich die Kamera in der Hand und schaute durch den Sucher, realisierte ich um was es sich handelte. Schließlich habe ich vor einiger Zeit mal die Leica M8 und M9 ausprobiert. Kurz gesagt: das Kameragehäuse ist sehr schwer mit einer schlechten Haptik, weil ohne Handgriff, und der Sucher… nun es ist eben eine Sucherkamera. Man sieht nicht was das Objektiv sieht, sondern blickt dran vorbei mit dem kleinen Schnittbildfeld zum Scharfstellen in der Mitte. Ein vorsinflutliches und völlig überholtes Konzept. Nein, danke. Übrigens handelt es sich bei der Zenit Kamera um eine Auftragsfertigung durch Leica. Genau genommen ist eine rebrandete Leica M240. Designed in Kragsnogorsk, Russia – Built in Wetzlar, Germany. Was für eine exotische Kombination.

Am Stand vom bff.de, dem Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V., gab es zwei tolle Fotoreportagen zu sehen.

“Weg vom Fenster – das Ende einer Ära” von Nanna Heitmann. “Die Stimmung unter Tage ist sehr besonders. Die Direktheit, die Herzlichkeit und der raue Humor der Kumpel, wo sich jeder aufeinander verlassen kann, haben mich tief beeindruckt.”

“Heart of a Seal” von Lukas Kreibig. “Am Ende der Welt fand ich Schönheit in der rauen Wirklichkeit der Arktis und Respekt für den harten Alltag der Grönländer. Die Zukunft der Inuitkinder ist bedroht und wir sind daran Schuld.”

Fototaschen sind der Liebling jedes Fotografen. Aber muss es gleich eine Ledertasche sein? Ich mag die Taschen von Compagnon nicht und halte sie auch für deutlich überteuert.

Mein Lieblings-Fototaschen sind die Think Tank Retrospective Taschen. In den letzten Jahre habe ich diese in verschiedenen Größen und Farben genutzt und war immer begeistert. Nun gibt es die Retrospective V2.0 Serie! Der Stoff wurde etwas überarbeitet und ist nun etwas leichter. Optisch kam eine Frontleiste dazu. Die Innentaschen wurden auch etwas optimiert, so befindet sich das Organiserfach nun nicht mehr im Hauptfach sondern im Frontfach, was ich sehr praktisch finde.

Außerdem hatten die alten Retrospective Taschen das Problem, dass die seitlichen Taschen kaum dehnbar waren. Ein Päckchen Taschentücher passte rein, eine Wasserflasche aber keinesfalls. Nun gibt es eine erweiterbare Seitentasche! Das ist superpraktisch um eine Trinkflasche zu transportieren. Alternativ kann man die ausklappbare Tasche auch für ein zusätzliches Objektiv nutzen.

Weiter geht’s zu Peak Design, auch ein Taschenhersteller, den ich mag. Ich habe seit einiger Zeit den Everyday Backpack im Einsatz; in Kürze gibt es hier im Blog ein Review dazu. Außerdem ist Peak Design für seine Kameragurte bekannt wie z.B. den Leash, der praktische Clips verwendet. Ich hatte die erste Version, da gab es kein Problem mit den Clips. Bei der zweiten Generation war dann der Faden der Clips etwas dünn und es kam zu Einzelfällen, wo die Verbindung nachgab. Die Clips wurden ausgetauscht und in der dritten Generation werden nun wieder stabile Fäden an den Clips verwendet. Fun Fact: Sollte sich der schwarze Faden dennoch einmal aufribbeln, so kommt zuerst ein gelber Faden und darunter ein roter Faden ans Licht. Ein praktisches und zuverlässiges System.

Außerdem hat Peak Design etwas für den reisenden Fotografen: die Travel Line. Dabei handelt es sich um einen 35L Rucksack, der durch eine Dehnfuge auf 45L erweiterbar ist. Der Clou ist ein System aus Cubes & Puches, mit denen sich Gepäck/Kleidung und Tech/Fotoausrüstung in passender Menge transportieren lässt. Wer auf der Suche nach einem One-fits-all Rucksack ist, der als Handgepäck im Flieger durchgeht, sollte sich den Travel Backpack näher anschauen.

Bunte Kameragurte am Stand von Cooph (Cooperative of Photography).

Ansonsten gab es noch einige Fotos zu sehen, gerade bei den diversen Anbietern von Drucklösungen, Papieren, Rahmen usw.

Natürlich dürfen Drohnen nicht fehlen, das ist der große Trend derzeit. Aufnahmen aus der Luft zu machen, eröffnet einfach eine völlig neue Perspektive und noch nie war das so einfach. Während die üblichen Modelle 12-Megapixel-JPGs aus einem 1:2/3″-Sensor liefern, bietet die DJI Mavic 2 Pro eine Hasselblad-Kamera mit 1″-Sensor und 20-Megapixel-DNGs und somit ein ziemlich gute Bildqualität.

Tja, und sonst wollen irgendwie alle Selfies und Videos, meinen zumindest einige Anbieter. Videostabilisierung, am besten am Selfie-Stick und am besten als 360°-Video ist dann der Hype. Was für ein Blödsinn. Mit Fotografie hat das jedenfalls fast nichts mehr zu tun. Aber die Photokina wandelt sich ja gerade von der Fotografie-Messe zur Imaging-Messe. Sowas kommt dann auch dabei raus. Im Zuge dessen wechselt man auch vom 2-Jahres-Rythmus (bewährtes Konzept seit 1950) nun auf einen 1-Jahres-Rythmus. Außerdem wechselt man vom September-Termin auf einen Mai-Termin, sodass die nächste Photokina eben nicht in 2 Jahren sondern schon in 7 Monaten stattfindet.

Das Ganze findet in einem schrumpfenden Markt statt. Die Boomzeiten der Digitalfotografie sind vorbei. Die meisten Leute fotografieren mit ihren Handys, nur für besondere Anwendungen wird überhaupt noch eine Kamera gekauft. Auf Papier bringen auch immer weniger Anwender ihre Bilder, immer mehr wird digital am Bildschirm betrachtet.

Einige Hersteller sind ziemlich unzufrieden damit, dass die Photokina nun jedes Jahr stattfindet. Manche Hersteller fehlten auf der Photokina in diesem Jahr. Mitakon war nicht da, aber das ist nur ein kleinerer chinesischer Objektivanbieter. Benro war auch nicht da, wenn auch schon einer der größeren Stativanbieter. Elinchrom war nicht auf der Photokina, einer der größten Blitzanbieter. Und Zeiss war nicht auf der Messe vertreten, der deutsche Traditionshersteller schlechthin. Das ist doch ein deutliches Zeichen, dass einige die neue Ausrichtung der Messe kritisch sehen.

Aus fotografischer Sicht findet gerade eine Zeitenwende statt. Die Ära der DSLRs geht zu Ende. Zu Beginn der Digitalfotografie hatte man das DSLR-Konzept übernommen und die bestehenden Systeme mit digitalen Sensoren ausgestattet. Diese Zeit geht nun zu Ende und die Mirrorless-Kameras setzen sich durch. Elektronische Sucher sind inzwischen besser als optische Sucher und die Bildverarbeitung direkt auf dem Sensor bietet neue Möglichkeiten, insbesondere für den Autofokus. Nachdem Sony den Weg bereitet hat, wagen nun Canon und Nikon auch diesen Schritt und stellen ihren neuen Systeme vor. Zwar erzählen sie noch ihren Bestandskunden, dass die alten DSLR-Systeme weiter unterstützt werden und die Objektive lassen sich adaptieren, aber mittelfristig wird es mit Canon EF und Nikon F zu Ende gehen. Die Zukunft gehört Canon RF und Nikon Z. Aber sie werden es schwer haben gegen Sony E-Mount und gegen die L-Mount Alliance. Neben diesen vier Kleinbild-Systemen haben wir noch Fuji X-Mount und MicroFourThirds, sodass der Kunde zurzeit die Wahl zwischen 6 Mirrorless-Systemen hat. Über diese neue Konkurrenz können wir uns als Fotografen freuen, wo es zuvor nur 2 große DSLR-Systeme gab. Die Karten am Fotomarkt werden neu gemischt.

28.09.2018

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