Voigtländer SL 125mm f/2.5 Apo-Lanthar Review

Heute möchte ich euch ein besonderes Objektiv vorstellen. Es geht um das legendäre und seltene Voigtländer SL 125mm f/2.5 Macro APO-Lanthar. Ich habe es mir vor einem halben Jahr zugelegt. Hier ist mein Erfahrungsbericht.

Das Unternehmen

Voigtländer ist eine ziemlich alte Marke im Fotobereich. Tatsächlich wurde das Unternehmen 1756 gegründet. Schon damals stellten sie optische Instrumente her. Als dann 1839 die Fotografie erfunden wurde, begannen sie Objektive und auch Kameras herzustellen. Voigtländer Objektive waren die ersten, die mathematisch berechnet wurden – von Professor Petzval. 1898 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1925 ging das Unternehmen an die Schering AG, 1956 dann an Carl Zeiss. 1971 nach einer Absatzkrise wurde das Voigtländer-Werk geschlossen. 1974 gingen die Markenrechte an Rollei, 1983 an Plusfoto. Die Voigtländer GmbH in Fürth ist heute eine Tochterfirma von Ringfoto.

Die Objektivserien

Voigtländer fertigt verschiedene Objektivserien. Allen gemeinsam ist die hohe mechanische Qualität und die vollmanuelle Ausführung. Es gibt keine Voigtländer-Objektive mit Plastikgehäuse oder mit Autofokus. Recht bekannt sind die Objektive für Leica M-Bajonett, die VM-Serie. Neuerdings werden auch einige Varianten davon mit Sony E-Bajonett gefertigt. Außerdem gibt es die Objektive für Spiegelreflexkameras, die SL-Serie. Die SL-Objektive werden mit verschiedenen Bajonettanschlüssen (Canon EF, Nikon F, Pentax K) angeboten. Es gibt außerdem noch eine kleine Objektivserie für MicroFourThirds.

Das Objektiv

Das Voigtländer 125mm f/2.5 Macro APO-Lanthar gehört zur SL-Serie. Mein Exemplar hat ein C/Y-Bajonett, wurde als für Contax/Yashica hergestellt. Überhaupt wurde das Objektiv nicht besonders lange und nicht in hoher Stückzahl produziert. Es wurde von Cosina in Japan gefertigt. Dort lässt auch Zeiss seine Objektiv herstellen. Es geht die Geschichte um, dass Zeiss sauer war, weil das Voigtländer 125mm Macro APO-Lanthar noch ein bisschen besser war als das herausragende Zeiss 100mm Makro-Planar, und Voigtländer deshalb die Produktion einstellen musste, da Zeiss bei Cosina Vorrang hatte. Jedenfalls wurde es nach relativ kurzer Bauzeit nicht mehr produziert. Wer damals ein Voigtländer 125mm zum Listenpreis gekauft hat, kann sich seitdem über eine erheblich Wertsteigerung freuen. Inzwischen werden Exemplare zu einem Mehrfachen des Neupreises gehandelt, auch aufgrund der außerordentlichen optischen Leistungen. Kaum ein Besitzer wird sein Objektiv hergeben. In Foren wird es auch aufgrund seiner Seltenheit als der heilige weiße Elefant bezeichnet.

Technische Daten

Nun aber zurück von den Legenden zu den Fakten. Sprechen wir über die technischen Daten. Brennweite und Lichtstärke haben die etwas ungewöhnlichen Werte 125mm und f/2.5. Das Objektiv verfügt über ein 58mm Filtergewinde und wiegt 690 Gramm. Es ist aus Metall gefertigt und verfügt über einen Blendenring mit Halb-Blenden Klick-Stopps. Es ist ein Makro-Objektiv mit Abbildungsmaßstab 1:1. Das Objektiv ist 88mm lang, fährt aber beim Fokussieren im Nahbereich aus und wird ein ganzes Stück länger. Die Naheinstellgrenze beträgt 38cm, der Arbeitsabstand liegt bei 19cm. Man merkt deutlich, dass das Objektiv zum manuellen Fokussieren konstruiert wurde. Der Fokusring läuft weich aber ohne jegliches Spiel. Der Verstellweg ist, nun, enorm. Er beträgt 540 Grad, also eineinhalb Umdrehungen! Dazu sind die Entfernungsangaben in zwei Reihen beschriftet, weil man es mehr als einmal rumdrehen kann, wenn man im Nahbereich fokussiert. Exaktes Einstellen des Fokus ist also kein Problem 🙂

Meine Anwendung

Ich benutze des Voigtländer SL 125mm f/2.5 Apo-Lanthar an meiner Sony A7RII. Dazu verwende ich zwei Adapter. Der erste ist ein Leicaist C/Y-L/M-Adapter, also ein mechanischer Adapter um das Contax-Yashica-Bajonett des Objektivs auf ein Leica-M-Anschluss zu bringen. Der zweite Adapter ist der Techart Pro Leica M Sony E Autofokus Adapter. Dieses trickige Teil habe ich in einem separaten Artikel vorgestellt. Kurz gesagt ermöglicht er durch eine elektronische Verstellung des Auflagemaßes die Nutzung der Phasen-Autofokusfelder der Kamera. So kann ich an der Sony A7RII das Objektiv quasi mit Autofokus und auch noch mit Stabilisierung benutzen (die Kamera verfügt über Sensor-Stabilisierung), obwohl das Objektiv eigentlich beides nicht bietet. Der Autofokus funktioniert damit im Prinzip ganz gut, aber der Verstellweg der elektronischen Funktion ist eingeschränkt. Im Bereich unendlich bis 5 Meter ist das kein Problem, aber im Bereich 5 Meter bis 1 Meter muss ich das Objektiv zumindest vorfokussieren um die Autofokus-Funktion nutzen zu können. Im Nahbereich fokussiere ich dann manuell. Das ist mit dem Fokus Peaking der Kamera leicht gemacht. Ich nutze das Objektiv sozusagen als Allround-Tele, für Landschafts-, Portrait- und Makro-Aufnahmen. Ich finde es eignet sich für alle drei Bereiche sehr gut. Daher hat es in letzter Zeit einen festen Platz in meiner Fototasche und ich muss nicht viel schleppen.

Optische Eigenschaften

Oft ist es so, dass ältere Objektiv weich in der Abbildungsleistung sind. Sie haben dann zwar ein angenehmes Bokeh, aber es fehlt an Schärfe und Kontrast, was sich gerade bei modernen hochauflösenden Digitalkameras bemerkbar macht. Bei neuen Objektiven ist es hingegen oft so, dass sie stark auf Schärfe korrigiert sind. Sie sind darauf optimiert in Vergleichstest hohe Werte bei den Schärfe-Eigenschaften zu erreichen. Darunter leidet dann oft das Bokeh, weil die Objektive etwas überkorrigiert sind. Das Voigtländer SL 125mm f/2.5 Macro APO-Lanthar liegt genau dazwischen, es ist absolut neutral. Dabei bringt es eine herausragende Schärfeleistung in Verbindung mit einem fantastischen Bokeh. Außerdem hat es praktisch keine optischen Fehler. Ich habe in den letzten Jahren schon sehr viele Objektive genutzt, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen. Besser geht es nicht. Verzeichnungen und Chromatische Abberationen sind praktisch nicht vorhanden. Es ist keine Korrektur in Lightroom nötig. Die Schärfe ist meiner Meinung nach – und ich nutze das Objektiv an einer 42-Megapixel-Kamera ohne AA-Filter – sehr gut. Es ist nicht die übertriebene Schärfe eines Sony G 90mm Makro, aber es ist selbst bei Offenblende in 100%-Ansicht nicht weich und bietet volle Detailauflösung – sofern man den Fokus richtig gesetzt hat. Das Bokeh ist überragend. Ich finde es besser als alles was ich kenne inkl. Canon 85/1.2L II usw. Die Zerstreungskreise sind neutral und unaufdringlich und der Schärfeverlauf butterweich. Kurz gesagt, ich habe keine Testcharts fotografiert, aber ich bin mit den optischen Leistungen extrem zufrieden.

Objektivkauf

Das Objektiv zu kaufen ist nicht so ganz einfach. Es ist nur gebraucht und ziemlich selten erhältlich. Dabei kostet es mehr als der ehemalige Neupreis, muss adaptiert werden und hat keinen Autofokus. Hin und wieder tauchen bei Ebay in Japan vereinzelte Exemplare zu Preisen zwischen 1600 und 2300 Dollar auf. Dazu kommen noch internationale Versandkosten, Einfuhrzoll und Umsatzsteuer. Man muss sich schon ziemlich sicher sein, dass man sowas haben will. Aber es lohnt sich zuzuschlagen, wenn eine Kaufgelegenheit auftritt. Wenn du gerade nicht liquide bist, kann dir der Smava Kreditvergleich weiterhelfen um kurzfristig die Gelegenheit wahrzunehmen. Wer weiß, wann man wieder die Möglichkeit hat. Ich bin ziemlich sicher, wenn du einmal so ein Objektiv hast, wirst du es so schnell nicht mehr hergeben. 🙂

Fazit

Natürlich empfehle ich das Voigtländer SL 125mm f/2.5 Macro APO-Lanthar. Wie oben angesprochen nutze ich es nicht nur für Makro- sondern auch für Landschafts- und Portrait-Aufnahmen. Wenn ich mit der Sony A7RII mit kleinem Gepäck unterwegs sein möchte, dann nehme ich nur das Zeiss 16-35/4 und das Voigtländer 125/2.5 mit, vielleicht noch ergänzt vom Zeiss 55/1.8. Ich finde das ist eine tolle Kombination. Die gemäßigten Abmessungen und die hervorragende Haptik des Voigtländer-Objektivs tragen dazu bei, dass ich es sehr gerne benutze. Die tollen optischen Leistungen lassen dann Freude bei der Betrachtung der Bilder aufkommen.

Hier sind einige Bilder von mir:

Weitere Beispielbilder gibt es hier, hier und hier. Außerdem gibt es hier ein Review und hier ein Vergleichstest mit dem Zeiss 100mm Makro-Planar. Ich hoffe ich konnte euch damit einige Infos zu diesem seltenen und schönen Objektiv geben.

21.05.2017

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2 comments

  • Stefan 23.05.2017   Reply →

    Woher hast Du denn dieses Objektiv und zu welchem Preis ?
    Hast Du echt einen Kredit dafür aufgenommen ?

    • Martin 23.05.2017   Reply →

      Hallo Markus, ich habe bei einer guten Gelegenheit bei Ebay Japan zugeschlagen. Einen Kredit habe ich nicht aufgenommen. Viele Grüße, Martin

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