Willkommen bei Lightroom Classic CC

Große Neuigkeiten von Adobe: am Mittwoch wurden nicht eine sondern gleich zwei neue Versionen von Lightroom veröffentlicht. Da sich auch noch die Namen geändert haben, ist das Ganze etwas unübersichtlich. Hier kommt der Überblick, wie die neue Lightroom-Welt aussieht – und meine Meinung zu den Neuerungen.

Lightroom ist jetzt Lightroom Classic

Um genau zu sein, der Nachfolger von Lightroom CC Version 2015 heisst Lightroom Classic CC Version 7. Dabei handelt es sich um das Lightroom, was wir kennen. Es ist das Desktop-Programm für Windows oder MacOS mit der Katalogdatenbank, wo die Bilder auf der lokalen Festplatte liegen. Viel hat sich hier nicht geändert, aber das Programm soll nun deutlich schneller arbeiten. Dazu gibt es auch einen neuen Vorschau-Modus, der direkt die in den RAWs eingebetteten JPGs verwendet und nicht erst ein Vorschaubild rendern muss. Ansonsten ist die größte Änderung, dass die Auswahlfunktion beim Korrekturpinsel und Verlauf nun über erweiterte Einstellungen verfügt, mit denen man die Maskierung anhand von Helligkeit oder Farbe sehr gut auswählen bzw. begrenzen kann. Ansonsten gibt es keine großen Neuerungen, beispielsweise das Buch-Modul ist 100% unverändert wie zuvor. Die neuen Layflat-Bücher von Blurb (mehr dazu nächste Woche) stehen nicht zur Auswahl. Außer allgemeiner Performance, der Nutzung von eingebetteten Vorschauen und der neuen Bereichsmaskierung hat sich eigentlich nichts geändert. Die neue Bereichsmaskierung bringt allerdings mit sich, dass eine neue Prozessversion verwendet wird. Die Raw-Entwicklungseinstellungen sind also nicht mehr abwärtskompatibel.

Begrüßungsbildschirm von Lightroom Classic

Während das alte Lightroom die Möglichkeit hatte ausgewählte Sammlungen als Smart Preview in die Creative Cloud zu laden und so auch unterwegs per Lightroom Mobile zugänglich und bearbeitbar zu machen, so wurde diese Funktionalität nun eingefroren. Mittelfristig wird das vermutlich nicht mehr unterstützt werden, dann hierfür gibt es nun eine andere Lösung und das bringt uns zu der zweiten Neuerung.

Bildbearbeitung mit Lightroom Classic

Neu: Lightroom CC

Es gibt ein neues Programm und das heisst Lightroom CC. Ja, es hat den gleichen Namen wie das alte Lightroom. Es ist aber etwas Anderes. Es ist eine neue cloud-basierte Lightroom-Software. Es ist sozusagen Lightroom Mobile für den Desktop. Die Bildbearbeitungs- und Verwaltungsmöglichkeiten sind hier einfacher als beim richtigen Lightroom. Die bekannten Regler sind zwar vorhanden, aber fast überall fehlen die erweiterten Funktionen. Beim Import der Bilder kann man nicht auswählen, ob man Stichwörter oder Copyright-Infos hinzufügen möchte, man kann nicht auswählen in welchen Ordner die Dateien geschrieben werden (weil sie nicht mehr in Ordnern auf der Festplatte sondern jetzt vollständig in der Cloud gespeichert werden) und bei der Bearbeitung fehlen viele erweiterte Funktionen wie z.B. die Pipette oder Gradationskurven. Wer eine einfache Bildbearbeitung macht, wird aber nichts vermissen. Neben Lightroom CC für Windows und MacOS gibt es nun auch Lightroom CC für iOS und Android (also der Nachfolger von Lightroom Mobile) und hier werden alle Funktionen vom Desktop Lightroom CC (nicht von Lightroom Classic) unterstützt. Man kann also komplett seine Bildersammlung synchronisieren und man kann dabei auch zwei Lightroom CC z.B. auf dem Desktop und dem Laptop nutzen. Das ging vorher nicht bzw. nur sehr umständlich, daher wird das viel freuen. Aber es fehlen die erweiterten Bearbeitungsfunktionen und die Zusatzfunktionen wie Buchmodul usw. Wer aber in der Vergangenheit viel Lightroom Mobile auf dem iPad benutzt hat (oder wer einfach nur eine gute Möglichkeit gesucht hat seine Raw-Dateien zwischen Desktop und Laptop zu synchronisieren), wird sicher begeistert sein.

Bildbearbeitung mit Lightroom CC

Kein Nachfolger für Lightroom 6

Das ist auch eine der großen Neuerungen bei Adobe. Lightroom wird gar nicht mehr als Kauf-Software angeboten. Es gibt keinen Nachfolger von Lightroom 6. Es gibt noch ein letztes Update um neue Kameras wie die Nikon D850 zu unterstützen, danach wird die Software nicht weiter gepflegt werden. Wer zukünftig Lightroom nutzen will, muss also ein Software-Abo abschließen. Entweder den klassischen Creative Cloud Photography Plan für 12 Euro im Monat mit Lightroom Classic im Mittelpunkt (enthält weiterhin Photoshop CC und erlaubt das neue Lightroom CC mit bis zu 20GB zu nutzen) oder das neue Lightroom CC für 12 Euro im Monat mit 1TB Platz für die Fotos (jedes weitere TB kostet weitere 12 Euro im Monat). Ich kann gut verstehen, dass hier viele frustriert sind, weil keine Kauf-Software mehr angeboten wird. Ich glaube aber, dass ein Komplettwechsel zu einer anderen Software nicht unbedingt die beste Lösung ist. Als Workaround kann man auch weiterhin ein gekauftes Lightroom 6 nutzen. Bei zukünftigen Kameras, die dann nicht mehr direkt unterstützt werden, müsste man dann vor dem Bilderimport immer die RAWs zuvor in DNGs umwandeln. Auf neue Features wie Dunst entfernen oder die verbesserte Auswahlmaskierung muss man dann verzichten. Allerdings erwarte ich hier zukünftige keine riesigen Neuerungen mehr. Adobe scheint seine Entwicklung mehr auf Cloud-Features zu konzentrieren.

Was ist davon zu halten?

So richtig begeistert bin ich nicht. Da ist einerseits das Namens-Wirrwarr. Lightroom ist jetzt Lightroom Classic und Lightroom CC ist neu und was anderes als das alte Lightroom CC. Wer soll da durchblicken? Das werden viele Google-Suchanfragen unpassende Ergebnisse liefern. Außerdem suggeriert der Namenszusatz Classic, dass es sich um ein veraltetes Produkt handelt, möglicherweise gar um ein schlechteres Produkt. Obwohl Lightroom Classic aktuell viel mehr kann als das ganz neue Lightroom CC, scheint es als solle Lightroom Classic mittelfristig nicht viel weiterentwickelt werden und möglicherweise langfristig ganz aussterben. Die Zukunft gehört anscheinend Lightroom CC, das suggeriert die Namensgebung. Das gefällt mir gar nicht. Einerseits weil sich die Software weniger an Fotografen sondern mehr an Fotoamateure richtet (manche werden sich erinnern wie Apple Aperture eingestellt hat und iPhoto als neue Lösung präsentierte). Anderseits, weil die Software komplett als Cloud-Software ausgelegt ist. Ich kann zwar als Zusatzoption die RAWs noch auf die lokale Festplatte speichern (alle in einen einzigen Ordner ohne Gliederung), aber der Hauptspeicherort ist die Cloud. Mal eben 50GB RAWs in die Cloud laden? Da sagt mein DSL-Anschluss “bitte warten” und falls ich mal offline bin, kann ich womöglich gar nicht auf meine Bilder zugreifen. Zudem ist es bei den Bildbearbeitungsmöglichkeiten ein deutlicher Rückschritt.

Aber kaufmännisch ist der Schritt nachvollziehbar, man kann hier größere Käuferschichten ansprechen und surft auf der Trendwelle Cloud. Lightroom auf dem Smartphone oder Tablet hat nun die volle Funktionalität wie das Desktop Lightroom CC (nicht wie Lightroom Classic) und der Cloudspeicher dient auch als Backup, sofern man Adobe vertraut. Das wird viel Nutzer begeistern und die Stimmen der “Spezialisten”, die erweiterte Funktionen vermissen und die ganze Cloud-Lösung für einen Rückschritt bei Produktivität und Qualität halten, werden leiser werden. Schöne neue Welt.

Als Nutzer des klassischen Adobe CC Photography Plan werde ich Lightroom Classic weiter nutzen und freue mich über Neuerungen wie die verbesserte Performance. Das neue Lightroom CC kann ich für kleine Fotosammlungen bis 20GB ausprobieren oder dazu nutzen unterwegs mit dem iPhone an ein paar Bildern zu arbeiten, was eine nette Sache ist. Aber ich werde bestimmt nicht weitere 12 Euro im Monat zahlen um Lightroom CC voll nutzen zu können. Mein Hauptanwendung ist und bleibt Lightroom Classic mit all seinen Modulen und meine Fotos möchte ich auch weiterhin schön sortiert in Ordnern auf der lokalen Festplatte liegen haben.

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22.10.2017

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