Gedanken zur Auswahl des Kamerasystems

Die Fotografie im Allgemeinen und Digitalkameras im Speziellen haben sich in den letzten Jahren ganz enorm entwickelt. Hier sind einige Gedanken von mir zur Auswahl der passenden Fotoausrüstung im Jahr 2017.

Smartphones sind der neue Standard

Auch wenn das die Spezialisten mit großer Fotoausrüstung nicht gerne hören, Smartphones sind heute der neue Kamera-Standard. Die meisten Leute fotografieren heute mit einem Smartphone. Ein iPhone ist die Kamera, mit der die meisten Foto aufgenommen werden. Die Bildqualität von aktuellen Smartphones ist ziemlich gut. Hier ein Vergleich zwischen iPhone 7 und Leica M9. Herkömmliche Kompaktkameras verkaufen sich fast gar nicht mehr, denn ein Smartphone hat man immer dabei und es passt in die Hosentasche. Außerdem bietet es die Möglichkeit die Fotos direkt zu bearbeiten und versenden/hochzuladen. Das ist etwas, was die meisten größeren Kameras nicht können. Warum soll man sich also überhaupt noch eine Kamera anschaffen?

Auf die Sensorgröße kommt es an

Für mich ist der wichtigste Unterschied zwischen Smartphone/Kompaktkamera und Systemkamera/DSLR die Möglichkeit der Bildgestaltung durch Schärfe/Unschärfe. Wenn ich ein Portrait mit einem Smartphone/Kompaktkamera mache, dann ist von vorne bis hinten alles scharf. Wenn ich ein Portrait mit einer Systemkamera/DSLR mache, dann verschwimmt der Hintergrund in Unschärfe und die Person sticht heraus. Das liegt an der Sensorgröße der Kamera. Beim Smartphone/Kompaktkamera habe ich einen sehr kleinen Sensor, bei einer Systemkamera/DSLR einen relativ großen Sensor. Der große Sensor ermöglicht die kreative Unschärfe. Wenn schon eine Systemkamera, dann würde ich deshalb nicht zum MicroFourThirds-System greifen, sondern ein APS-C- oder Kleinbild-System nehmen. Die Sensorgröße sorgt aber auch dafür, dass Kamera und Objektive eine gewisse Größe und Gewicht haben.

Der Trend zur kompakten Fotoausrüstung

So eine DSLR-Ausrüstung kann schon mal einen ganzen Rucksack füllen. Wer will das heute noch durch die Gegend schleppen? Der Unterschied zwischen einem 12kg Fotorucksack und einem Smartphone in der Hosentasche könnte kaum größer sein. Viele Fotografen suchen nach einer Kompromisslösung. Sie sind bereit ein kleine Fototasche mit einer Systemkamera und 2 oder 3 Objektiven mitzunehmen. Aber das Ganze soll einigermaßen leicht und kompakt sein. Dabei ist es hilfreich auf Festbrennweiten anstelle von Zoomobjektiven zu setzen. Und man muss nicht immer alle Objektive mitnehmen. Eine Beschränkung auf bestimmte Brennweiten kann die Kreativität fördern.

Wer braucht heute noch eine DSLR-Ausrüstung?

Noch vor wenigen Jahren führte nichts an einer DSLR-Kamera vorbei, wenn man Fotos mit besserer Bildqualität machen wollte. Kameras wie eine Nikon D3300 oder Canon 700D wären dann der Einstieg in die Fotowelt. Heute empfehle ich das nicht mehr. Ich halte es für sinnvoller eine Mirrorless-Kamera zu nehmen. Kameras wie eine Fuji X-T1 oder eine Sony A6000 sind heute einfach besser, moderner und praktischer. Wann macht dann heute eine DSLR-Ausrüstung noch Sinn? Wie ich im Fazit zur Photokina letztens auch geschrieben habe, meine ich: bei Reportage, Sport und Wildlife. Der Reportage-Fotograf wird nicht auf seine Nikon D750 mit 24-70/2.8 verzichten wollen und der Sport-Fotograf nicht auf seine Canon 5DIII mit 70-200/2.8. Gerade im Tele-Bereich haben Mirrorless-Kameras nicht so viel zu bieten wie die DSLR-Systeme und der Größenvorteil ist auch dahin. Als Wildlife-Fotograf würde ich auch heute noch zu einer Canon 7DII mit 100-400L greifen oder bei entsprechenden Budget zu einer Canon 1DX mit 500L. Freilich sind das teure und spezialisierte Ausrüstungen. Für den normalen Fotografen, der Bilder von Hobby/Reise/Familie machen will, ist heute ein Mirrorless-System einfach die sinnvollere Wahl.

Der Siegeszug der Mirrorless-Systeme

Das sieht man auch an den Verkaufszahlen: Mirrorless-Systemkameras sind angesagt. Es gibt inzwischen einige verschiedene Kamerasysteme. Für empfehlenswert halte ich: Fuji X (APS-C-System mit sehr guten Objektiven), Sony E (APS-C-System, das sehr kompakt ist) und Sony FE/A7 (Kleinbild-System, das technisch sehr gut ist). Eher abraten würde ich von Panasonic/Olympus (MicroFourThirds-System, bietet zwar viele kompakte Objektive, aber nur eingeschränkte Möglichkeiten wegen der kleinen Sensorgröße). Samsung hat sein NX-System eingestellt und die Fotosparte aufgelöst, hier werden nur noch Restbestände abverkauft. Canon hat sein EF-M-System noch nicht richtig entwickelt, es gibt zu wenige Objektive. Das Gleiche gilt für Leica’s SL- und TL-Systeme. Aber warum sind Mirrorless-Kamerasystems so beliebt? Zuerst mal sind die Kameras kompakter. Das liegt daran, dass sie keine Spiegelkasten in der Optik mehr brauchen. Sie haben einen elektronischen Sucher, der das Bild direkt vom Sensor bekommt. Das führt auch dazu, das sich solche Kameras besser mit einem Klappdisplay (praktisch für ungewöhnliche Perspektiven) oder für Video nutzen lassen. Auch das Autofokus-System unterscheidet sich grundlegend von DSLRs. Früher war das ein Nachteil, aber seit die Hersteller Phasen-AF-Punkte direkt auf dem Sensor integrieren, ist es ein Vorteil. Das von DSLRs bekannte Problem der AF-Justage für einzelne Objektive gibt es bei Mirrorless-Kameras nicht mehr, weil die Fokussierung direkt auf der Sensorebene stattfindet. Dazu kommt, dass die Kamerakonstruktion mit einem kürzeren Auflagemaß es nicht nur erlaubt die Kameras kompakter zu bauen sondern auch kompaktere Objektive zu konstruieren (zumindest im Weitwinkelbereich, im Telebereich ist der Unterschied hinfällig). Insgesamt sind Mirrorless-Systeme einfach kompakter und smarter.

Das Sony A7 System

Sony hat in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt. Sie übernahmen das 2006 aufgegebene Konica-Minolta-System, führten es als Alpha-System fort und machten so Erfahrungen mit Systemkameras. Dann brachten sie 2010 ihr Mirrorless-System auf den Markt, damals noch unter dem Namen NEX, heute als E-Mount bekannt, und machten Erfahrungen mit Mirrorless-Kameras. Schließlich stellten sie 2013 mit der A7 als Erste ein Kleinbild-Mirrorless-System vor. Es wird als FE-Mount bezeichnet, aber ich nenne es Sony A7 System. In den beiden Jahren von 2013 bis 2015 brachten sie in recht schneller Folge verschiedene A7-Modelle heraus, die immer bessere technische Möglichkeiten hatten. Das gipfelte in der A7RII, die mich auch zum Umstieg bewegte. In 2016 legte Sony sozusagen eine Pause ein, es erschien kein neues Kameramodell, was aber auch dem Kumamoto-Erdbeeben geschuldet war. In 2017 wird es sicher wieder neue Modelle wie eine A7III geben, die den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz vergrößern. Aber warum ist das Sony A7 System so beliebt? Zuerst mal ist es so ziemlich das einzige Kleinbild-Mirrorless-System (es gibt auch noch Leica SL, aber das ist eine Nische). Der große Sensor bietet volles Gestaltungspotential, hohe Auflösung, gute High-ISO-Fähigkeit und enormen Dynamikumfang. Dazu kommt, dass man durch das kurze Auflagemaß auch eine Vielzahl anderer Objektive adaptieren kann. Das ist bei DSLR-Kameras mit ihrem langen Auflagemaß nicht möglich.

Von neuer Technik und alten Werten

Mirrorless-Kameras erfreuen sich ja deshalb großer Beliebtheit, weil sie kompakter sind als DSLR-Kameras. Das Ganze gibt allerdings nur Sinn, wenn man auch kompakte Objektive benutzt. Allerdings sind Kleinbild-Objektive, insbesondere Zooms, heutzutage ganz schön groß und schwer. Das liegt auch daran, dass die Objektive komplizierte Konstruktionen beinhalten mit Autofokusantrieb und Bildstabilisator. Früher waren Objektive ein ganzes Stück kompakter. Manche der alten Objektive schwächeln zwar bei hohen Auflösungen, andere alte Objektive sind aber optisch sehr hochwertig und verzichten nur auf moderne Features wie Autofokus und Bildstabilisator. Gerade für das Leica-M-Bajonett gibt es einige sehr kompakte hochwertige Festbrennweiten, aber auch Olympus OM, Canon FD und andere alte Systeme bieten einige optische Schätzchen. Für sowas sind die Kameras der Sony A7 Serie die ideale Wiederbelebung. Mit dem Kleinbildformat gibt es keinen Cropfaktor, man kann die Objektive so nutzen wie gedacht. Mit dem kurzen Auflagemaß passen sie auch mechanisch an die Kamera; es gibt Adapter für alle mögliche Anschlüsse. Besonders interessant ist der Techart Pro Autofocus Adapter, der den alten manuellen Objektiven sogar zu Autofokus verhilft, indem er das Auflagemaß mit einem kleinen Stellmotor verändern kann und dabei die Phasen-AF-Felder der Kamera zum Scharfstellen nutzt. Zusammen mit dem Sensor-Bildstabilisator in der Kamera hat man so eine Kombination, die sozusagen das beste aus beiden Welten vereint – sowohl einen modernen digitalen Sensor als auch die gute Optik und die kompakten Abmessungen der alten Objektive. Hier das Video zeigt eine Anwendung mit einem extrem alten Objektiv. Das mag etwas übertrieben sein, aber es zeigt die Möglichkeiten.

Fazit

Noch nie hatte man so viele Möglichkeiten sich für ein Kamerasystem zu entscheiden. Fast alle aktuell erhältlichen Kameras bieten dabei eine sehr gute Bildqualität. Daher beruht die Entscheidung für ein Kamerasystem heute eher darauf, was einem liegt. Das ist teils wörtlich zu verstehen, denn wie die Kamera in der Hand liegt und wie sie sich bedienen lässt, ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Kriterium. Schließlich soll es Spaß machen die Kamera zu benutzen und man soll es gerne tun. Allerdings ist die Kamera nicht alles, erst in Kombination mit einem Objektiv wird ein Fotoapparat draus. Mit einem Kamerasystem entscheidet man sich auch für eine Objektivpalette und diese Entscheidung will gut überlegt sein. Mehr dazu gibt es hier im Blog in der übernächsten Woche, wenn es um die Auswahl der Objektive geht.

05.02.2017

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