Techart Pro Leica M Sony E Autofocus Adapter Review

Der chinesische Hersteller Techart Pro will ein kleines Wunder vollbracht haben: Autofokus für manuelle Objektive! Unter dem Hashtag #AufocusAnything wurde der Leica M Sony E Autofocus Adapter vorgestellt. Ich habe mir diesen Adapter zugelegt und ihn ausprobiert.

Vor einiger Zeit habe ich den Wechsel von der DSLR zur Mirrorless-Kamera gemacht. Einer der Hauptgründe war es eine kleinere Fotoausrüstung nutzen zu können. Die Kamera ist das Eine, aber ganz wesentlich sind auch die Objektive. Was nützt eine Sony A7, wenn man ein sperriges 24-70/2.8 daran anschließt? Besonders interessant sind also handliche Festbrennweiten. Da gibt es insbesondere für Leica M einige tolle Objektive, die sehr kompakt und dabei auch noch sehr lichtstark sind. Sie wären die ideale Kombination für eine Kamera wie die Sony A7. Es gibt nur einen Nachteil: Es handelt sich um manuelle Objektiven, sie haben keinen Autofokus.

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Der Adapter

Hier kommt der Techart Pro Leica M Sony E Autofokus Adapter. Die genaue Bezeichnung lautet LM-EA7. Damit kann man Leica M Objektive an eine Sony E Kamera anschließen. Der Adapter kann aber noch etwas mehr. Er verfügt über einen kleinen eingebauten Motor, mit dem sich der Adapter um bis 4,5mm ausfahren lässt. Dabei kommuniziert der Adapter mit der Kamera und nutzt ihre Phasen-Autofokus-Felder zum scharfstellen. Kurz gesagt, man kann ganz normal ein Leica M Objektiv nutzen und hat dabei den Autofokus von der Kamera. Das ist super. Es funktioniert aber nur mit den Phasen-AF-Feldern der neueren Sony Kameras (A7II, A7RII, A6300) und nicht mit älteren Modellen (A7R, A7S, A6000).

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Auspacken (und Stativplatte)

Der Adapter ist mit 379 Dollar nicht gerade günstig, aber die eingebaute Autofokus-Funktion ist natürlich ein Alleinstellungsmerkmal. Ich habe beim Hersteller bestellt und nach 10 Tagen war die Sendung da. Der Adapter kam in einer gepolsterten Schachtel mit einer Mini-Bedienungsanleitung (englisch/chinesisch). An der Unterseite des Adapters befindet sich die Elektronik. Dadurch ist der Adapter etwas dicker als die Unterseite der Kamera. Die Kamera liegt dann nicht mehr eben auf dem Tisch. Wenn ich meine Stativplatte (die Basisplatte vom L-Winkel) an die Kamera montiere, dann passt es genau. Die Unterseite der Kamera und die Unterseite des Adapters bilden dann eine ebene Fläche.

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Firmware Update

Erste Aufgabe: Die neuste Firmware auf den Adapter aufspielen. Das hat ziemlich gut geklappt. Es funktioniert folgendermaßen. An der Kamera Blende 90 einstellen und ein Foto machen. Kamera ausschalten. Auf dem iPhone die App von Techart installieren und Bluetooth einschalten. Die App starten, die aktuelle Firmware auswählen und das Update starten. Nach ein paar Minuten ist der Prozess fertig und der Adapter auf dem neusten Stand. Aktuell ist derzeit Version 4. Was man so liest, gibt es wohl deutliche Verbesserungen gegenüber älteren Versionen. Die älteren Versionen hatten wohl einige Stabilitäts- und Performanceprobleme, die nun behoben wurden.

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Nutzung und AF-Performance

Die Nutzung des Adapters klappt problemlos. Tatsächlich lässt sich die Kombination so nutzen als hätte man ein Autofokus-Objektiv. Die Geschwindigkeit ist kaum langsamer. Nur ein leises Surren von dem kleinen Stellmotor ist zu hören, während dieser hin und her fährt um den richtigen Abstand einzustellen. Die Phasen-AF-Felder der Kamera können voll genutzt werden, allerdings geht der Augen-AF nicht mit dem Adapter. Ich bin mit der Performance sehr zufrieden, auch in dunklen Verhältnissen greift der AF gut und man sieht die Phasen-AF-Felder im Sucher mit dem kleinen grünen Feld aufleuchten.

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Exif-Daten

Der Adapter gibt sich gegenüber der Kamera als Objektiv mit der Bezeichnung DT 40mm F2.8 SAM aus. Diese Bezeichnung wird in die Exif-Daten geschrieben. Die Brennweite kann man einstellen. Im Lieferzustand ist sie auf 15mm eingestellt. Die Einstellung ist nicht nur für die Exif-Daten interessant sondern dient auch als Information, damit der Bildstabilisator in der Kamera richtig arbeitet*). Die am Objektiv eingestellte Blende lässt sich nicht elektronisch übermittelt. Das liegt daran, dass die Blende rein mechanisch eingestellt wird. Schließlich handelt es sich um manuelle Objektive, die man anschließt. Sie haben keine elektronische Blendensteuerung. Wenn man die Exif-Daten wirklich korrekt haben möchte, kann man mit dem Lenstagger die entsprechenden Daten in Lightroom eintragen.

*) Update: Die eingestellte Brennweite wird leider nicht für den Bildstabilisator übernommen. Wenn man möchte, dass der Bildstabilisator optimal arbeitet, muss man die Brennweite manuell im Menü einstellen. 🙁

Blendeneinstellungen

Ich fotografiere mit dem Adapter im Av-Modus (oder im M-Modus), dabei sollte die Blende an der Kamera auf f/2.0 eingestellt sein (sonst gibt es Probleme bei der Belichtung). Die Blende am Objektiv kann man dann so einstellen, wie man es haben möchte. Eine andere Blende an der Kamera stellt man nur ein, wenn man bestimmte Einstellungen für den Adapter vornehmen möchte. Dazu stellt man einmal die Blende ein und macht ein Bild. Dann ist die Einstellung gesetzt. Anschließend stellt man wieder f/2.0 ein und kann normal weiter fotografieren. Es gibt diese Einstellungen:

  • f/11: Brennweite 15mm einstellen
  • f/13: Brennweite 18mm einstellen
  • f/14: Brennweite 21mm einstellen
  • f/16: Brennweite 24mm einstellen
  • f/18: Brennweite 25mm einstellen
  • f/20: Brennweite 28mm einstellen
  • f/22: Brennweite 35mm einstellen
  • f/25: Brennweite 50mm einstellen
  • f/29: Brennweite 90mm einstellen
  • f/32: Brennweite 135mm einstellen (allerdings wird dann AF deaktiviert)
  • f/36: Wenn man auf MF umschaltet, soll der Adapter auf unendlich (eingefahren) geparkt werden
  • f/40: Wenn man auf MF umschaltet, soll der Adapter auf nah (ausgefahren) geparkt werden
  • f/45: Wenn man auf MF umschaltet, soll der Adapter auf der gegenwärtigen Position geparkt werden
  • f/90: Verbindung zur App (Firmware Update) herstellen

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Welche Objektive kann ich nutzen?

Es können alle M Objektive genutzt werden, Techart Pro empfiehlt das Gewicht solle nicht mehr als 700g betragen. Ansonsten würde sich der kleine Motor schwer tun das Objektiv zu bewegen. Mir sind allerdings auch keine M Objektive bekannt, die mehr als 700g wiegen.

Adapter für den Adapter

Gute Nachricht: Man kann auch alle möglichen sonstige manuelle Objektive verwenden! Dafür braucht man nur einen Adapter für den Adapter. Also zum Beispiel von Canon FD auf Leica M. Schon kann man die alten FD Objektive nutzen, wohlgemerkt mit Autofokus und mit Bildstabilisierung! Das ist doch toll. Ebenso geht das mit Contax/Yashica, Leica R, Minolta MD, M42, Olympus OM usw. 🙂

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Naheinstellgrenze

Nicht nur, dass der Adapter die alten Objektive zu einer neuen Nutzung bringt, mit AF und Stabilisierung, es gibt auch noch einen weiteren Vorteil. Es ist sozusagen ein variabler Zwischenring eingebaut, denn der Adapter kann ja ausfahren. Damit bekommen die verwendeten Objektiv eine kürzere Naheinstellgrenze. Nun kann man auf deutlich kürzere Distanzen fokussieren, als das zuvor möglich war.

Kurze und lange Brennweiten

Im Prinzip funktioniert das Ganze so, dass man den Fokus am Objektiv auf unendlich stellt und der Adapter kann dann durch Ausfahren den Fokus auf nähere Distanzen einstellen. Das klappt auch wunderbar bei kurzen Brennweiten. Bei längeren Brennweiten reicht die Distanz, die der Adapter ausfahren kann, nicht aus. Daher ist es nötig zunächst am Objektiv grob vorzufokussieren, den Rest macht dann der Adapter. Das gilt insbesondere für nähere Distanzen. Im Bereich von 5 Meter bis unendlich ist das alles kein Problem. Aber bei Naheinstellung, gerade im Makrobereich, muss man dem Adapter helfen, in dem man grob die Entfernung am Objektiv einstellt. Allgemein kann man wohl sagen, der Adapter bietet die volle Funktion bei Brennweiten bis 50mm und funktioniert noch ganz gut mit etwas vorfokussieren bei Brennweiten bis 100mm; bei längeren Brennweiten ist die Funktionalität dann eher eingeschränkt.

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Apps von Techart Pro

Um ein Firmware Update vorzunehmen, gibt es von Techart Pro eine App für iOS und eine für Android. Aber in der knappen Bedienungsanleitung war auch die Rede davon, dass man mit einer App Konfigurationen vornehmen kann z.B. individuelle Brennweiten einstellen. Die Config-App ist aber leider nur für Android erhältlich. Da ich ein iPhone habe, kann ich diese Funktion nicht nutzen.

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Fazit

Ich bin begeistert. Die Sony A7RII nutze ich nun etwas mehr als ein Jahr, aber bisher habe ich mich von adaptierten alten Objektiven ferngehalten, weil mir die Bedienung zu umständlich war. Mit dem Techart Pro Adapter öffnet sich nun eine neue Welt von alten kompakten lichtstarken Objektiven, die ich mit Autofokus, mit Bildstabilisierung und mit kürzer Naheinstellgrenze nutzen kann. Da bieten sich je nach Objektiv tolle kreative Möglichkeiten. Stellenweise muss man etwas umständliche Menüeinstellungen vornehmen z.B. die Brennweite für den Stabilisator eintragen und die Exif-Daten sind auch nicht ganz korrekt, aber die grundsätzliche Funktion ist hervorragend und die Fokussierung klappt sehr gut. Ein tolles Produkt, dass die Möglichkeiten meiner Sony A7RII nochmal erheblich erweitert!

(Die Fotos zeigen meine Sony A7RII mit dem Techart Pro Adapter und einem Voigtländer VM 35/1.2 Nokton II sowie mit einem Leicaist CY-LM-Adapter und einem Voigtländer SL 125/2.5 Apo-Lanthar. Mehr zu den beiden Objektiven gibt es demnächst hier im Blog.)

Links

Hier sind noch ein paar weiterführende Links und ein Video von Techart Pro:

 

27.11.2016

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One comment

  • Fabian 07.12.2016   Reply →

    Eindrückliches Stück Technologie… da kann man die alten Objektive wieder mal aus der Kiste holen und ausprobieren.

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