Canon 5D Mk III (vs. 6D)

Eigentlich ist die Canon 6D meine Kamera, aber ich habe nun ein paar Monate mit der Canon 5D Mk III fotografiert, und so schreibe ich hier einen kleinen Testbericht. Dieser ist natürlich geprägt vom Vergleich zur 6D und ich gehe der Frage nach, in welchen Fällen welche Kamera die Bessere ist.

Kurz zu meinem Hintergrund: ich fotografiere seit 10 Jahren mit digitalen Spiegelreflexkameras. In dieser Zeit hatte ich die Canon 400D, 40D, 5D, 1DsIII. Dann habe 2,5 Jahre mit der Nikon D700 fotografiert. In den letzten knapp 3 Jahren war dann die Canon 6D meine Kamera. Für eine Afrikareise diesen Sommer brauchte ich eine zweite Kamera und so kam die Canon 5D Mk III ins Haus. Nachdem ich diese nun ein paar Monate benutzt habe, wird es Zeit für ein Fazit.

Grundsätzlich muss man sagen, die 5D Mk III ist die Kamera, die alle Canon-User immer wollten. Eine Vollformat-DSLR mit erweiterten Autofokus in einem Gehäuse ohne festen Batteriegriff. Jahrelang gab es so etwas nicht bei Canon (was auch der Grund damals für meinen Wechsel zur D700 war) und als dann 2012 die Canon 5D Mk III vorgestellt wurde, war die Begeisterung groß. Zumindest bis man den Preis sah, denn der Listenpreis von 3300 Euro war schon gar nicht so wenig. Ein Jahr später erschien die 6D mit einem Listenpreis von 2000 Euro. Heute liegt der Straßenpreis der 5D Mk III bei 2400 Euro (Gebrauchtpreis 1900 Euro), während die 6D einen Straßenpreis von 1400 Euro hat (Gebrauchtpreis 1000 Euro). Man zahlt also für die 5D Mk III ein ganzes Stück mehr als für die 6D.

Dafür bekommt man auch eine bessere Kamera. In erster Linie ist da der Autofokus. Die 6D hat praktisch nur den einen guten Autofokuspunkt in der Mitte, die 5D Mk III hat diverse Autofokuspunkte und bietet viele Einstellmöglichkeiten zur Motivverfolgung. Auch sonst liest sich die Featureliste der 5D Mk III ziemlich gut: ein 100% Sucher, zwei Kartenslots, volle Bedienelemente mit Joystick, höhere Serienbildgeschwindigkeit, besserer Verschluss usw. Dazu liegt die Kamera besser in der Hand, weil sie etwas größer ist.

Aber es ist nicht alles Sonnenschein bei der 5D Mk III, es gibt auch einige Punkte, wo ihr die 6D überlegen ist: ihr mittlerer AF-Sensor ist eine Blende empfindlicher, die Bildqualität ist etwas besser im High-ISO-Bereich und mit weniger Banding, die Sucher-Mattscheibe lässt sich auswechseln und sie verfügt über WLAN und GPS. Zudem ist sie etwas handlicher, was auch von Vorteil sein kann.

Beim letzten Punkt – der Gehäusegröße – zeigt sich schon, dass es eher Geschmackssache ist, welchen der beiden Kameras man bevorzugt. Beide Kameras liegen wirklich gut in der Hand. Ich habe beide Kameras ohne Batteriegriff benutzt. Die 6D finde ich mit Objektiven bis zum 70-200/4 sehr angenehm. Bei Objektiven ab 70-200/2.8 oder 100-400 bevorzuge ich die 5D Mk III aufgrund ihrer Größe.

Auch die Features können Geschmackssache sein. Sicher ist ein 100% Sucher besser, aber wenn man einen 97% Sucher gewohnt ist, läuft man Gefahr Bildränder abzuschneiden. Das gleiche Problem hatte ich schon damals beim Umstieg von der 5D auf die 1DsIII. Zwei Speicherkartenslots sind auch etwas, was ich nicht brauche. Zumal ich mich von CF-Karten wirklich verabschiedet habe und SD-Karten bevorzuge. Diese sind inzwischen genau so schnell, günstiger zu bekommen und fast alle Geräte haben SD-Kartenslots eingebaut, sodass man keinen externen Cardreader mehr braucht. Leider unterstützt der SD-Kartenslot der 5D Mk III kein UDMA und ist daher ziemlich langsam.

Beim Verschluss zeigt sich deutlich, dass die 5D Mk III hochwertiger als die 6D ist. Die Blitzsynchronzeit beträgt 1/200s (statt 1/180s), die kürzeste Belichtungszeit 1/8000s (statt 1/4000s) und die Haltbarkeit wird mit 150.000 (statt 100.000) Auslösungen angegeben. Das Display ist minimal größer (3,2″ statt 3,0″) und durch Glas abgedeckt statt mit einer Kunststoffscheibe. Das mag nur eine Kleinigkeit sein, aber das stört mich bei der 6D, weil das Display mehr empfindlich für verschmierte Fingerabdrücke ist.

Das Bedienkonzept ist Canon-typisch, aber leicht unterschiedlich. Während die 6D auf die Knöpfe links vom Display verzichtet und die Knöpfe beim Schulterdisplay nur einfach belegt sind, verfügt die 5D Mk III über Knöpfe links neben den Display und doppelt belegte Knöpfe am Schulterdisplay. Da ich Doppelbelegung nicht gut finde, gefällt mir hier die 6D besser. Das Bedienkonzept finde ich intuitiver und einfacher zu benutzen. Für die 5D Mk III spricht noch der kleine Joystick-Controller um den AF-Punkt zu verstellen. Die 6D hat den nicht, aber hier wird man in der Regel eh nur den mittleren AF-Punkt nutzen, sodass das Bedienelement entbehrlich ist.

Beide Kameras verwenden den gleichen Akku-Typ. Der Canon LP-E6 Akku hat eine Kapazität von 1800mAh und hält locker einen ganzen Tag. Die Canon 6D verfügt zusätzlich sowohl über ein WLAN- als auch ein GPS-Modul. Beides erhöht etwas den Stromverbrauch, aber das hält sich sehr in Grenzen und ist wirklich kein Problem. Die 5D Mk III hat leider weder WLAN noch GPS. Beide Funktionen sind zwar nicht unbedingt zum Fotografieren nötig, aber ich finde sie doch ziemlich praktisch.

Fazit zur 5D Mk III

Die 5D Mk III ist eine sehr gute Kamera. Sie ist die digitale Spiegelreflexkamera von Canon, die praktisch alles kann. Ein umfangreicher Autofokus wie bei den 1D-Modellen, Vollformat, hohe ISO-Werte, eine ordentliche Serienbildgeschwindigkeit, ein großer Sucher, was will man mehr? Die Leistung lässt sich Canon natürlich durch einige Euro bezahlen, aber insgesamt ist die Kamera durchaus zu empfehlen, insbesondere wo der Gebrauchtpreis langsam sinkt.

Vergleich zur 6D

Zwar ist die 5D Mk III grundsätzlich besser als die 6D, aber braucht man die Zusatzfunktionen? Wenn man auf die Verbesserungen bei Autofokus, Verschluss und Ausstattung verzichten kann, bekommt man mit der 6D auch eine sehr gute Kamera zu einem niedrigeren Preis. Zudem ist die Bildqualität bei der 6D ein Hauch besser, der mittlere AF-Punkt ist empfindlicher und sie hat WLAN und GPS. Letztendlich ist es eine persönliche Entscheidung, aber ich bevorzuge für meine Art der Fotografie doch die 6D gegenüber der 5D Mk III.

04.10.2015

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3 comments

  • Matthias 04.10.2015   Reply →

    Hallo Martin,
    habe grade deinen Bericht zum Vergleich der 5DIII mit der 6D gelesen. Im Großen Ganzen stimme ich dir zu. In zwei Punkten möchte ich aber widersprechen:
    1. Nicht alle Canon User haben auf die 5DIII gewartet es gibt viele eingeflleischte 1D User denen ist die Kamera u.a zu klein. Kenn persönlich welche und mir geht es ähnlich. Grade mit 100-400 oder den Superteles ab 300/2,8.
    Die 5DIII ist in dem Punkt die zweit-beste Canon (Abgesehen von der 5Ds(R) die noch paar Features mehr haben)
    2. SD-Karten sind noch immer nicht so schnell wie CF-Karten. Grade bei schnellen Bildfolgen merkt man das. ich habe CF mit 160MB/s da suche ich SD bisher noch. Außerdem sind CF viel robuster. Dass sie teuer sind stimmt, aber auch besser.
    Selbstverständlich stellt beides nur meine Meinung dar.
    VG

  • Lars 06.10.2015   Reply →

    Hallo Martin,

    die 6D ist wohl auch die leisere Kamera (hab ich gelesen, hab selber ‘nur’ die 6D), sowohl im Normal- als auch im Silent-Modus.

    Interessant fand ich deine Bemerkung zum 97%-Sucher: Ich dachte nicht, dass das tatsächlich praktisch relevant sein kann! Kommt aber wohl auf die Art des Fotografierens an …

    Grüße.
    Lars

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