Sony FE 24-240mm f/3.5-6.3 OSS

Ein Reisezoom für das volle Kleinbildformat und dann auch noch ab 24mm Weitwinkel, das ist eine super-praktische Sache. Aber wie passt die Abbildungsleistung mit einer Sony A7RII zusammen? Das kann nur eine kontroverse Diskussion geben…

Anfang letzten Jahres hat Sony das FE 24-240mm vorgestellt. Es handelt sich um ein 10x-Zoom für das Kleinbildformat, ein sogenanntes Superzoom. Während andere Superzooms fast alle bei 28mm oder dessen Kleinbild-Äquivalent anfangen, geht das Sony schon bei 24mm los. Aber etwas sperrige Abmessung, ein Preis von knapp 1000 Euro und eine mäßige Bildqualität lassen Zweifel aufkommen.

So ein Objektiv kann man gar nicht bauen, das war die Meinung vieler Experten. Sony hat nicht auf die Experten gehört und hat es trotzdem gemacht. Herausgekommen ist ein etwas unhandliches Objektiv mit starken Verzeichnungen im Weitwinkelbereich und einer etwas weichen Abbildungsleistung im Telebereich. Wozu soll das also gut sein, insbesondere an der Sony A7RII mit ihren 42 Megapixeln?

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Zuerstmal: der Brennweitenbereich ist ein Traum, ganz besonders für das Fotografieren auf Reisen. Einen Brennweitenbereich von 24mm bis 240mm in einem Objektiv zu haben, das ist einfach mega-praktisch. Damit kann man im Urlaub so ziemlich alles fotografieren ohne wechseln zu müssen. Die Abmessungen (118mm Länge, 780g Gewicht, 72mm Filter) sind an einer Mirrorless-Kamera nicht gerade kompakt und leicht. Auf der anderen Seite ist es allerdings kleiner und leichter als das Sony FE 24-70/2.8, außerdem muss man nicht noch extra ein Teleobjektiv mitnehmen.

Die Lichtstärke ist natürlich nicht mit dem Sony FE 24-70/2.8 zu vergleichen. Sie beträgt am kurzen Ende f/3.5 und am langen Ende f/6.3. Das ist bei vielen Zooms durchaus üblich außer vielleicht mit einer Drittelblende weniger am langen Ende. Wenn man aber im Urlaub eh nur mit f/8 fotografiert, dann ist hier alles bestens im Anwendungsbereich. Außerdem verfügt das Objektiv auch über einen eingebauten Bildstabilisator (OSS). Im Zusammenspiel mit der Sony A7RII erfolgt ein Teil der Stabilisierung im Objektiv und Teil beim Sensor, der ja auch stabilisiert ist. Im Endeffekt erlaubt das eine ziemlich effektive Bildstabilisierung.

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Reden wir über die Bildqualität. Man muss sich bewusst machen, dass ein Superzoom nicht die Bildqualität bieten kann und will wie z.B. die Zeiss FE 55mm Festbrennweite. Ganz ehrlich, wenn ich ein Landschaftsfoto machen möchte, was die Detailauflösung der Sony A7RII ausnutzt, dann nehme ich das Zeiss FE 16-35mm. Aber es gibt eine Menge Urlaubsfotos, da geht es darum überhaupt das Bild zu machen. Da reicht auch eine geringere Auflösung aus. Ich habe lange Zeit mit 12 Megapixeln fotografiert und einige der Bilder hängen heute noch in groß an der Wand. In diesem Zusammenhang blicke ich auf das Sony FE 24-240mm. Es ermöglicht mir mit der Sony A7RII Schnappschüsse in einem großen Brennweitenbereich zu machen und diese habe ich dann als Raw mit hohen Dynamikumfang. Was die Schärfe und die Detailauflösung angeht, da werden die Möglichkeiten der A7RII ganz klar nicht ausgenutzt. Aber man muss ja nicht alles in der 100% Ansicht betrachten. Als ganzes Bild und vielleicht etwas nachgeschärft sind die Bilder top. Verglichen mit einer Kompakt- oder Bridgekamera (das höre ich in einigen Fällen, wenn es um Urlaubsschnappschüsse geht und man die DSLR-Ausrüstung nicht schleppen will) sind die Bilder mit Sicherheit deutlich besser.

Bei 24mm verzeichnet das Objektiv, es hat dann eine tonnenförmige Darstellung. Das machen so ziemlich alle Zooms im Standardbereich, aber beim Sony FE 24-240mm ist es ziemlich ausgeprägt. Ich finde es allerdings nicht so schlimm, weil a) im Sucher sieht man bereits das korrigierte Bild b) das korrigierte Bild entspricht einem Bildwinkel von 24mm, man verliert also keine Brennweite, und c) die Verzeichnung lässt sich mit einem Klick auf das Objektivprofil in Lightroom korrigieren. Diese Korrektur sollte man bei diesem Objektiv tatsächlich aktivieren, sonst sehen die Bilder nicht so gut aus.

Das Sony FE 24-240mm ist von den Abmessungen her ähnlich wie ein ausgewachsenes DSLR-Objektiv (z.B. Nikon 16-35/4 oder 24-120/4). Wie die anderen Sony FE Objektive auch, ist es schwarz und sehr ‘clean’ gehalten, d.h. es hat keine Knöpfe und keine Entfernungsskala. Alle Einstellungen wie AF/MF oder Stabi an/aus werden im Kameramenü vorgenommen. Der Zoomring ist recht griffig und lässt sich ganz gut bedienen. Er ist einigermaßen schwergängig, was ich als recht angenehm empfinde und es verhindert auch, dass das Objektiv von selbst ausfährt, wenn man die Kamera über die Schulter hängen hat.

Erwähnen muss ich aber auch, dass der Autofokus mit dem Objektiv nicht ideal ist. Zwar verfügt die Sony A7RII über ein ziemlich gutes AF-System, aber der etwas langsame AF-Antrieb des Objektivs in Verbindung mit der geringen Lichtstärke, gerade bei etwas längeren Brennweiten, führt zu gelegentlichen Fehlerfassungen bzw. Verzögerungen. Das kann im Einzelfall durchaus ärgerlich sein, für einen Reportageeinsatz ist das Objektiv sicher nicht geeignet.

Fazit

Ich finde als Reiseobjektiv ist das Sony FE 24-240mm eine feine Sache, insbesondere wegen dem Brennweitenbereich. Ein Superzoom ab 24mm ist einfach sehr praktisch. Die Abmessungen gehen noch halbwegs in Ordnung, kleiner geht sowas im Kleinbildbereich wohl nicht. Im Vergleich zum Nikon 28-300G, was ich eine Zeit lang an der Nikon D700 genutzt habe, schlägt es sich ziemlich gut. Die (korrigierte) Bildqualität geht in Ordnung und der Bildstabilisator ist recht wirkungsvoll. Im Vergleich zu anderen Objektiven, insbesondere Festbrennweiten, an der Sony A7RII mangelt es an Schärfe und Detailauflösung. In der 100% Ansicht bei 42 Megapixeln sehen die Bilder etwas weich aus. Aber das Objektiv ermöglicht es Fotos zu machen ohne viel Ausrüstung zu schleppen oder Objektive zu wechseln. Letztendlich muss jeder Fotograf selbst entscheiden, ob er diesen Kompromiss eingehen will. Ich finde das Sony FE 24-240mm sehr praktisch, gerade auf Reisen. Aber wenn ich Bilder mit voller Detailauflösung machen will, nehme ich lieber das Zeiss FE 16-35mm oder FE 55mm.

Links

Review von Jörg Haag | Testbericht von Digitalkamera | Review von Mirrorlessons | Review von ePhotozine

Bildbeispiele

Hier sind einige Fotos, die ich mit dem Sony FE 24-240mm an der A7RII aufgenommen habe.

20.03.2016

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