Günstiges Kleinbildformat

Es muss nicht immer das Neuste sein, was einen die Werbung glauben machen will. Brauche ich 32 Megapixel Auflösung, 69 Autofokusfelder und diverse Motivprogramme eigentlich zum Fotografieren? Vermutlich eher nicht. Es geht auch anders – und günstiger. Hier kommt mein Tipp für einen preiswerten Einstieg ins digitale Kleinbildformat.

Bisher wurde mit einer einfachen Kamera fotografiert, nun will man mit der kreativen Fotografie durchstarten. Aber was kaufen? Natürlich kann man auch mit einer Cropkamera gute Fotos machen, aber die kreativen Möglichkeiten mit der Unschärfe sind begrenzter und die Objektivauswahl auch eingeschränkt. Ein Spiegelreflexkamera mit Kleinbild-Sensor wäre schon toll. Aber eine 5D Mk III mit 24-70/2.8 Mk II kostet neu 5000 Euro! Selbst dann hat man nur ein Standardzoom, nun soll noch ein Weitwinkel und Tele dazu und etwas Lichtstarkes soll es auch noch sein… da ist man schnell bei vielen tausend Euro. Aber braucht man beim Einstieg wirklich all das? Wurden nicht vor Erscheinen der Geräte der neusten Generation auch schon gute Bilder gemacht?

Der Klassiker: Canon 5D

Da ist die gute alte EOS 5D (Vorstellung). Sie wurde von 2005 bis 2008 gebaut und ihr aktueller Gebrauchtpreis liegt bei 520 Euro. Sie hat kein Liveview, keine Motivprogramme und auch kein Video. Aber sie hat einen hellen großen Sucher und 12 Megapixel auf einem Kleinbild-Sensor mit einem recht dünnen AA-Filter, sodass jeder Pixel eine tolle Grundschärfe bietet und aufgrund der Größe nur niedrige Anforderungen an die Optik stellt. Von ISO 50 bis 1600 lässt sich mit der 5D hervorragend fotografieren und zur Not kann sie auch ISO3200. Hier bekommt man viel Kamera für wenig Geld. Wenn ich mich zwischen einer gebrauchten 5D und einer neuen 600D – beide kosten gleichviel – entscheiden müsste, ich würde die 5D nehmen.

Der Geheimtipp: Canon EF 3.5-4.5-Serie

Eine komplette Objektivausstattung von Ultraweitwinkel bis Tele für gut 400 Euro? Klingt unmöglich, ist aber durchaus zu machen, wenn man gebraucht kauft und auf Pixelpeeping verzichtet. Die Canon 3.5-4.5-Serie bietet gute Objektive mit brauchbarer Bildqualität für kleines Geld. Da ist zuerst das Standardzoom EF 24-85 3.5-4.5 USM (Test). Canon hat es von 1996-2007 gebaut; zurzeit kostest es 130 Euro gebraucht. Ich habe dieses Objektiv gerne benutzt. Es ist leicht und kompakt, hat einen schnellen Autofokus und einen praktischen Brennweitenbereich. Dann ist da das Weitwinkelzoom EF 20-35 3.5-4.5 USM (Test). Canon hat es von 1993-2007 gebaut; zurzeit kostet es 150 Euro gebraucht. Es bietet zwar keine dramatischen 17mm, aber dringt mit 20mm durchaus in den Ultraweitwinkelbereich vor. Schließlich gibt es dann noch das Telezoom EF 70-210 3.5-4.5 USM (Test). Canon hat es von 1990-1997 gebaut; zurzeit kostet es 125 Euro gebraucht. Nirgendwo sonst bekommt man für so wenig Geld ein brauchbares Tele.

Die Unterschätzten: kleine Festbrennweiten

Mit den Zoomobjektiven hat man einen großen Brennweitenbereich abgedeckt, aber um die kreativen Möglichkeiten der Kleinbildkamera richtig auszunutzen und um Bilder mit einer hoher Bildqualität zu machen, dafür nimmt man besser Festbrennweiten. Diese drei Festbrennweiten sind handlich und passen gut zusammen (Abstufung, Filterdurchmesser):
EF 28/1.8 USM (Test). Canon baut es seit 1995; zurzeit kostet es 330 Euro gebraucht.
EF 50/1.4 USM (Test). Canon baut es seit 1993; zurzeit kostet es 245 Euro gebraucht.
EF 100/2.0 USM (Test). Canon baut es seit 1991; zurzeit kostet es 260 Euro gebraucht.

Fazit

Das sind also 520 Euro für eine digitale Kleinbild-Spiegelreflexkamera, 405 Euro für drei Zoom-Objektive von Ultraweitwinkel bis Tele und 835 Euro für drei lichtstarke Festbrennweiten (Alle Preisangabe laut Poepping’s Gebrauchtpreisliste 1. Quartal 2013). Damit bekommt man für kleines Geld eine komplette Fotoausrüstung im digitalen Kleinbildformat, mit der sich wirklich tolle Bilder machen lassen. So bleibt vielleicht etwas Geld übrig, was man in einen Fotokurs oder eine Reise investiert… womit man im Endeffekt sicher mehr Spaß am Fotografieren hat, als wenn man das ganze Geld nur für eine Kamera ausgibt.

31.03.2013

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5 comments

  • crosa 18.04.2014   Reply →

    Ich bin gerade über den DSL-Forums-Beitrag (http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=1420548&page=7) hier gelandet und kann das nur unterschreiben. Auch wenn ich gerade auf Nikon D5200 umgestiegen bin. (400D, dann 30D, dann 5D… etliche Jahre später dann Ausflug zu micro 4/3 und dann wieder zurück zur 5D.

    Die 5D ist für mich einfach eine reine Fotografierkamera 🙂 nix zum protzen, einfach zum sensationelle Fotos machen 🙂

  • Günther 08.05.2014   Reply →

    Danke für den Beitrag und besonders für die Objektivtips. Er war so der letzte Anstoß, dass mit der 5D ein hervorragender Einstieg ins Vollformat möglich ist. Bin seit kurzem Besitzer einer gebrauchten 5D und glaube, das wird der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. 😉

  • Günther 23.04.2015   Reply →

    Genau dieser Beitrag hat vor ca. einem Jahr mit den Ausschlag gegeben, von der Canon 40D auf die Canon 5D zu wechseln. Es war tolles Jahr mit einer tollen 5D! Danke. 🙂

    Auch das Objektiv EF 24-85 3.5-4.5 USM habe zu einem sehr günstigen Preis (80 EUR) gesorgen können. Damit war ich allerdings nicht glücklich, es war mir nicht scharf genug und wurde schnell wieder weiterverkauft.

    Das Objektiv EF 50/1.4 USM kam ebenfalls in meinen Objektivpark – ein Sensibelchen und anspruchsvoll. Es macht aber sagenhafte Bilder.

    Für Weitwinkel habe ich erst auf das 35 mm f2 gesetzt und dann noch durch ein günstiges 16-35 mm f4 ergänzt.

    Für eine längere Brennweite kommt ein älteres Canon 70-200 f4 USM zum Einsatz – ein Traum. Ergänzt wird es seit kurzem noch mit einem 85 mm f1.8, speziell für Portraits.

    Und jetzt? ISO 1600 an der 5D war zu oft zu wenig. Und so kam nach einem gestern die Canon 6D ins Haus. Ein Traum! Schon wieder. 😉

    • Martin 25.04.2015   Reply →

      Hallo Günther,
      freut mich dass du mit der 5D einen tollen Einstieg ins Vollformat hattest. Jetzt mit der 6D wünsche ich dir auch viel Spaß!
      Viele Grüße, Martin

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