Was du beim Kamerakauf wissen musst (Teil 1)

Was soll ich nur für eine Kamera kaufen? Dazu gibt es immer wieder endlose Diskussionen, insbesondere vor der Urlaubszeit im Sommer und vor Weihnachten. Leider fällt dann oft die Entscheidung nicht ganz optimal aus und manchen bereuen dann, Geld für das falsche System ausgegeben zu haben.

Daher will ich mal versuchen zu diesem kaum zu überblickenden Thema einen Überblick zu geben und die wichtigsten Punkte herauszustellen. Los geht’s 🙂

Sensorgröße und Tiefenschärfe

Der wesentliche Unterschied zwischen Handys/Kompaktkameras auf der einen Seite und Systemkameras/Spiegelreflex auf der anderen ist die Sensorgröße. Eine Kompaktkamera hat einen sehr kleinen Bildsensor, was dazu führt, dass im Foto alles scharf ist, vom Vordergrund bis zum Hintergrund. Eine Systemkamera hat einen wesentlich größeren Bildsensor, womit es möglich ist nur einen bestimmten Bereich scharfzustellen und den Hintergrund im Foto unscharf darzustellen. Mehr zu den verschiedenen Sensorgrößen in diesem Artikel.

Sucher oder Display

Wie willst du fotografieren, mit dem Display während du die Kamera in die Luft hälst, oder während du durch den Sucher schaust und die Kamera direkt am Auge hast? Soll deine neue Kamera einen Sucher haben? Beides hat Vor- und Nachteile wie ein Klappdisplay oder die Lesbarkeit im Sonnenschein usw. Ich persönlich würde nicht auf einen Sucher verzichten wollen, fotografiere aber manchmal auch gern per Klappdisplay.

Spiegelreflex oder Mirrorless

Spiegelreflexkameras (auch DSLR [Digital Single Lens Reflex] genannt) haben einen Sucher, wo man über einen Spiegel direkt durch das Objektiv schauen kann. Das funktioniert sogar ohne Strom. Daher sind solche Kameras nicht so sehr dafür ausgelegt mit dem Display zu fotografieren (können das aber auch, nennt sich dann Liveview). Mirrorless-Kameras, also diese modernen spiegellosen Systemkameras, haben eben nicht so einen optischen Sucher mit Spiegel. Hier wird es so gemacht, dass der Bildsensor ständig elektronisch ausgelesen wird (quasi immer Liveview) und das Bild auf dem Display oder im elektronischen Sucher angezeigt wird. Elektronische Sucher sind inzwischen recht brauchbar, aber bei längerer Benutzung ist der Akku schnell leer.

Phasen- und Kontrast-Autofokus

Vermutlich soll die Kamera die Fähigkeit haben automatisch scharfzustellen 🙂 Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Autofokus-Methoden. Kompaktkameras und Mirrorless-Systemkameras, die ja ständig den Bildsensor auslesen, nutzen den Kontrast-Autofokus. Das ist eine Art Annäherung durch Try&Error. Diese Methode ist nicht so gut und funktioniert auch nur mit statischen Motiven. Spiegelreflexkameras leiten einen Teil des Lichts über einen Spiegel zu einem separaten AF-Modul, dem Phasen-Autofokus. Diese AF-Methode ist sehr gut und eignet sich auch bei bewegten Motiven. In letzter Zeit gehen die Hersteller von Mirrorlesskameras dazu über Phasen-AF-Punkte direkt auf dem Bildsensor zu integrieren, was der Kamera zu einem deutlich besseren Autofokus verhilft als wenn sie nur per Kontrast-AF scharfstellen würde.

Die Brennweite

Mit einer Kamera allein lässt sich kein Foto machen, es braucht auch ein Objektiv. Manchmal ist es fest eingebaut (hauptsächlich bei Kompaktkameras), meistens lässt es sich wechseln… dann wird die Kamera oft mit einem Standardzoom im Kit verkauft. Wesentlich beim Objektiv ist es, welche Brennweite es hat. Eine kleine Brennweite bedeutet Weitwinkel (man bekommt viel auf das Bild drauf), eine große Brennweite ist Tele (man fotografiert einen Ausschnitt und kommt so näher ran). In der Mitte liegt 50mm, was einem normalen Blick entspricht und daher als Standardbrennweite bezeichnet wird. Gängige Standardzooms bieten eine Brennweite von 28-80mm. Manche Zoomobjektive fangen bei 24mm an, sodass sie noch etwas mehr drauf bekommen als die mit 28mm. Manche Zoomobjektive gehen bis 120mm, sodass sie mehr Tele bieten als die mit 80mm. Zusätzlich gibt es spezielle Weitwinkel- und Tele-Objektive, die noch ganz andere Brennweiten bieten.

Der Crop-Faktor

Ich habe eben gesagt, ein übliches Standardzoom bietet 28-80mm Brennweite. Das gilt für eine Vollformatkamera. Bei kleineren Bildformaten muss man umrechnen, wie auch hier erklärt. So hat ein Standardzoom für das APS-C-Format dann 18-50mm Brennweite (entspricht 28-80). Ein Standardzoom für das Micro-Fourthird-Format hat 14-40mm Brennweite (entspricht 28-80) usw. Wenn du das verstanden hast, kannst du erkennen wieviel Weitwinkel und Tele das Zoomobjektiv bietet.

Die Lichtstärke

Es gibt noch eine zweite technische Eigenschaft des Objektivs und das ist die Lichtstärke. Je lichtstärker ein Objektiv ist, desto größer ist seine Blendenöffnung, desto mehr Licht lässt es auf den Bildsensor, desto mehr kann man Schärfe/Unschärfe zur Bildgestaltung nutzen. Die Lichtstärke wird mit folgenden Werten angegeben:

  • f/1.0 – ultra lichtstark, praktisch nicht zu kaufen
  • f/1.4 – super lichtstark, gibt es bei teuren Festbrennweiten im Bereich der Standardbrennweite
  • f/2.0 – sehr lichtstark, gibt es bei einigen Festbrennweiten
  • f/2.8 – gut lichtstark, gibt es bei günstigen/kompakten Festbrennweiten und bei großen/teuren Zoomobjektiven
  • f/4.0 – mittel lichtstark, gibt es bei mittleren Zoomobjektiven
  • f/5.6 – wenig lichtstark, gibt es bei kleinen und günstigen Zoomobjektiven
  • f/8.0 – nicht lichtstark, gibt es bei sehr schlechten Objektiven

Ein Standardzoom 28-80mm/f3.5-5.6 (entscheidend ist bei der Blendenangabe immer der hintere Wert) hat also mit f/5.6 keine besonders gute Lichtstärke, während eine Festbrennweite 50mm/f2.0 wesentlich mehr Licht auf den Bildsensor lässt und mehr Gestaltung mit Schärfentiefe erlaubt. Dafür hat man bei der Festbrennweite einen festen Blickwinkel und kann nicht zoomen.

Iso-Werte und Bildstabilisatoren

Wenn das Objektiv viel Licht auf den Bildsensor lässt, reicht eine kurze Belichtung um das Bild ausreichend zu belichten. Lässt das Objektiv weniger Licht durch, muss man länger belichten. Wenn nicht gerade die Sonne scheint, kommt man dann in den Bereich, wo das Bild verwackeln kann. Hier kann ein Bildstabilisator helfen, der in gewissen Umfang das Verwackeln verhindert. Ein Bildstabilisator ersetzt aber nicht ein lichtstarkes Objektiv, denn wenn es im Bild Bewegung gibt, hilft er nicht.

Anders ist es mit dem Iso-Wert, damit verhält es sich wie mit der Lichtstärke. Mit mehr Iso bekomme ich mehr Licht auf das Bild und damit erreiche ich wieder kürzere Belichtungszeiten. Hohe Iso-Werte sind also recht praktisch. Sie haben aber auch einen Nachteil, denn die Bildqualität leidet dann, die Dynamik lässt nach und das Bild fängt an zu rauschen. Das tritt umso stärker auf, desto kleiner der Bildsensor ist. Ein Foto mit einem hohen Iso-Wert sieht dann sehr körnig aus.

Ja und was soll ich jetzt kaufen?

Ok, das war jetzt schon ein kurzer Foto-Basiskurs, denn viel mehr als Blende – Belichtungszeit – Iso-Wert muss man nicht wissen. Wenn du auch halbwegs verstanden hast was mit den Zahlen für Brennweite und Lichtstärke gemeint ist, dann bist du schon super aufgestellt. Leider gibt es viele Hobbyfotografen, die zwar ein Dutzend Motiv-Automatik-Programme kennen, aber diese zum Fotografieren wesentlichen Parameter nicht verstanden haben. Aber was bedeutet das alles nun für die Wahl von Kamera und Objektiv? Was soll ich nun kaufen?

Das kommt drauf an 🙂 Wenn du wenig schleppen willst, mag eine Mirrorless-Kamera vom MicroFourthird-System verlockend sein. Diese sind recht klein und leicht, aber der Bildsensor ist auch relativ klein. Das bedeutet, du kannst nicht so stark mit Schärfe/Unschärfe gestalten. Bei der Landschaftsfotografie ist das wohl weniger störend, bei Portraits aber durchaus schon. Außerdem tun sich solche Kameras auch etwas schwer in Verhältnissen, wo es nicht so hell ist.

Also vielleicht doch lieber eine Vollformatkamera, die hat eine großen Bildsensor. Damit hat man alle Gestaltungsmöglichkeiten und kann auch besser bei dunklen Verhältnissen fotografieren. Aber solche Kameras sind nicht ganz billig und oft auch nicht besonders handlich. Will man so viel Geld ausgeben, will man so viel Ausrüstung rumschleppen?

Oft bietet sich dann als bezahlbarer Kompromiss eine APS-C-Kamera an. Dann stellt sich die Frage, nimmt man das günstige Kit mit 18-50mm/f3.5-5.6 Objektiv oder greift man besser direkt zum 17-70mm/f4.0 Objektiv? Vielleicht nimmt man auch eine handliche Festbrennweite dazu?

Fazit

Wesentlich ist, sich begreiflich zu machen was die unterschiedlichen Sensorgrößen der Systeme für den fotografischen Alltag bedeuten. Eine Kompaktkamera passt zwar in die Hosentasche, aber du wirst damit keine Fotos mit geringer Tiefenschärfe machen können. Dafür wirst du eine Systemkamera mit einem größeren Bildsensor haben wollen. Allerdings werden die Kameras dann auch größer und teurer und es fragt sich, ob man das bezahlen und rumschleppen will.

Zudem sollte man sich überlegen, ob es eine herkömmliche Systemkamera mit Spiegelkasten (also eine DSLR) sein soll oder ob man lieber eine spiegellose (Mirrorless) Kamera hat, mit der man dann per Display oder elektronischen Sucher fotografiert. Mirrorless Kameras sind handlicher, Spiegelreflexkameras sind größer und schwerer.

Nächsten Sonntag im zweiten Teil schauen wir uns die verschiedenen Systeme der Hersteller an, die es zurzeit am Markt gibt.

21.06.2015

 

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