APS-C oder muss es Vollformat sein?

Der Systemkamera-Markt scheint sich mehr und mehr auf das Vollformat zu konzentrieren. Sony A7, Nikon Z7, Canon EOS-R, Panasonic S1… alles Vollformat. Aber muss das sein? Ist Vollformat das einzig Wahre? Oder kann nicht ein APS-C-System auch eine professionelle Lösung für ein Fotosystem sein? Ich mache einen kleinen Vergleich.

Vor 11 Jahren, mit dem Wechsel von der Canon EOS 400D zur EOS 5D, bin ich von APS-C auf Vollformat umgestiegen. Seitdem habe ich fast nur mit Vollformat-Kameras fotografiert. Damals der Wechsel von der 400D zur 5D brachte einen enormes Plus an Bildqualität. Die Fotos waren sichtbar klarer und rauschfreier, zudem hatten sie mehr Dynamikumfang. Aber es hat sich seitdem viel getan bei der Fototechnik. Inzwischen gibt es sehr gute APS-C-Sensoren und die Zuwächse bei der Bildqualität bewegen sich auf einem Level, den man nur noch mit der Lupe oder in Extremsituationen wahrnehmen kann.

Während die Kameras und die Bildsensoren immer leistungsfähiger wurden, wurde meine Motivationen einen kompletten Fotorucksack durch die Gegend zu schleppen immer weniger. So eine Vollformat-DSLR, dazu ein paar 2.8er Objektive 16-35/24-70/70-200, das sind viele Kilogramm Ausrüstung und macht keinen Spaß, wenn man es tragen muss. Das ist ja auch eine der Verlockungen von Mirrorless-Kameras: sie sind kleiner und leichter. Blöd ist dann nur, wenn man an die Sony A7 ein 24-70/2.8 dranschraubt, das ist dann nämlich wieder genau groß und schwer wie bei einer DSLR. Genau hier kommt der Vorteil von APS-C-Systemen ins Spiel: ihre Objektive sind deutlich kleiner. Hier mal nebeneinander im Bild: Sony A6000+18-135mm und Sony A7II+24-105mm. Das ist doch schon ein Unterschied.

Sicher, die Kombis sind nicht gleichwertig. Die Vollformat-Linse fängt schon bei 24mm an, das APS-C-Objektiv umgerechnet erst bei 27mm. Außerdem hat das 24-105mm eine durchgängige Lichtstärke von f/4, während die Freistellung beim 18-135mm eher f/8 entspricht. Auf der anderen Seite hat das 18-135mm mit umgerechnet 202mm fast doppelt so viel Brennweite wie das 24-105mm… und es ist eben kompakter, leichter, handlicher und passt besser in die Tasche.

Hier ist noch ein weiterer Vergleich im Bild: Sony A5100+10-18mm vs. Sony A7II+16-35mm. Es mag verschiedene Argumente geben, warum das 16-35mm das bessere Objektiv ist… aber der Größenvergleich ist auch eindeutig. Die APS-C-Kombi ist viel kompakter. Was würdest du eher mitschleppen wollen? Fairerweise muss man dazu sagen, dass beide Sony-Lösungen für ihre Klasse jeweils ziemlich kompakt sind. Hier habe ich noch einen weiteren Vergleich mit anderen Systemen (Nikon, Canon, Fuji und noch MicroFourThirds) bei Camerasize gemacht und es zeigt wie handlich die Sony-Lösungen sind. Insbesondere die DSLR-Kombis sehen in dem Vergleich doch sehr sperrig aus.

Kein Wunder also, dass der Trend zu Mirrorless und zu kleiner Fotoausrüstung geht. Nur, dass man auf der anderen Seite am liebsten die perfekte Bildqualität haben möchte. Aber lohnt es sich für das letzte Quäntchen Bildqualität ein doppelt so großes Objektiv mitzuschleppen? Sollte man zu Gunsten der Bildqualiät auf Zooms verzichten und nur Festbrennweiten benutzen?

Das mag ja jeder Fotograf machen wie er will, aber ich finde, dass heutzutage auch APS-C-Systeme eine Bildqualität liefern, die professionellen Ansprüchen gerecht wird – bei zugleich deutlich kompakteren Abmessungen für die Ausrüstung. Insofern meine ich: Nein, es muss nicht immer Vollformat sein… APS-C tut es auch und kann manchmal sogar die bessere Lösung sein. Denn die beste Fotoausrüstung ist die, die man auch mitnimmt – und nicht die, die zuhause liegen bleibt.

03.02.2019

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2 comments

  • Stefan Senf 03.02.2019   Reply →

    Ja, da bin ich bei Dir. Ich selbst habe den Ausflug ins Vollformat nie gemacht – abgesehen davon, dass ich seit 35 Jahren immer mal wieder auch einen Kleinbildfilm belichte. Aber das ist selten geworden. Also APS-C. Mein System ist von Pentax, also nicht mal spiegellos. Trotzdem bauen (gerade bei Pentax) Kamera und Objektive so klein, dass man problemlos ein Gehäuse und drei Objektive in eine Camslinger Gürteltasche (oder etwas ähnliches) rein bekommt. Das ganze wiegt dann immer noch weit unter 2 Kilo.

    Und ja, mir geht es ähnlich, was das ‘Schleppen’ von Ausrüstung angeht. Gerade auf Fototour will ich beweglich sein und mich unbelastet fühlen. Wenn ich versuche, die Welt an Orten oder aus Perspektiven zu zeigen, die nicht völlig alltäglich sind, dann ist Leichtigkeit schon fast eine Bedingung geworden. Also für mich zumindest. Ich mach das ja nicht beruflich.

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