Goodbye DSLR!

Liebe digitale Spiegelreflexkamera, liebe DSLR, wir hatten eine schöne Zeit. Knapp 10 Jahre warst du das Ziel der Begierde, das Werkzeug der Begeisterung, der technische Meilenstein. Nun bist du alt geworden und etwas groß und schwer. Ich wende mich einer neueren schlankeren Generation von Kameras zu. Wir hatten eine schöne Zeit. Goodbye DSLR!

Alles begann im Jahr 2006. Da kam meine Begeisterung für die Fotografie auf und ich wollte eine Kamera haben. So eine richtige, so eine, wo man auch die Objektive wechseln konnte. Canon hatte gerade die erste bezahlbare Vollformatkamera auf den Markt gebracht, die EOS 5D. Nach einem kurzen Intermezzo mit einer Bridgekamera startete ich dann mit einer EOS 400D. Die Kamera gefiel mir sehr gut und ich machte viele schöne Bilder mit ihr. Im Jahr 2008 machte ich dann den Sprung auf die 5D. Was für eine Kamera mit ihrem großen Sucher, gutmütigen 12 Megapixeln und dem enormen Freistellungspotential mit den entsprechenden Linsen. Mein fotografischer Schwerpunkte bewegte sich mehr in den Bereich People, Portrait und Hochzeiten. Zur 5D gesellte sich eine 1DsIII, nun war ich auf dem Zenit angekommen. Aber glücklich war ich mit der Top-Kamera nicht, denn sie war sehr sperrig und schwer. Ich bevorzugte die 5D wegen ihres Formfaktors.

Schließlich machte ich dann im Jahr 2010 den Wechsel zur Nikon D700. Sie war kleiner als die 1DsIII und hatte mehr Features zu bieten. Dazu versuchte ich mich mit einem etwas kompakteren Objektivsetup. So ein Nikon 85/1.4D ist eben ein ganzes Stück handlicher als ein Canon 85/1.2L, um mal ein Beispiel zu nennen. Zwar drehte sich bei Nikon alles andersrum, aber letztendlich ist es fast das gleiche Fotosystem wie bei Canon. Mein fotografischer Schwerpunkt bewegte sich nun mehr in den Bereich Reisefotografie und die Nikon D700 war ein treuer Begleiter durch Südostasien. Schließlich zog es mich dann Ende 2012 doch wieder zurück zu der Marke, die ich gewohnt war. Nach gut zwei Jahren mit Nikon war ich mit der EOS 6D zurück im Canon Lager.

Die letzten drei Jahre habe ich mit der EOS 6D fotografiert. Sie ist der eher jugendliche Sproß der 5D-Familie bei Canon. Ein bisschen kleiner als die 5D, weniger Pro-Features (AF, 100% Sucher…) dafür mehr Consumer-Features (WLAN, GPS…). Jedenfalls, die 6D gefiel mir sehr gut und ich habe viele schöne Bilder mit ihr gemacht. Dabei war die 6D ein Fotoapparat wie die anderen Spiegelreflexkameras auch. Man fotografiert durch den optischen Sucher und betrachtet das aufgenommene Bild auf dem Display. Neumodische Funktionen wie Liveview mit brauchbaren Autofokus, ein Klappdisplay oder Dinge wie Fokus Peaking sind ihr fremd. Will man ein Foto aus Bodenperspektive mache, dann muss man sich auch auf den Boden legen um durch den Sucher schauen zu können.

In der Zwischenzeit hat sich das Angebot an Fotoapparaten verändert. Ich meine, ich schreibe hier das Blog seit gut 3 Jahren und habe mich die ganze Zeit immer wieder mit Mirrorless-Kameras befasst. Nur gab es nie ein Modell, was einer 5D/6D das Wasser reichen konnte. Irgendein Pferdefuß gab es immer, die Kameras hatten verschiedene Kinderkrankheiten. Bis im Sommer 2015 Sony dann die A7RII vorstellte. Was für eine Kamera! Zuvor fanden die anderen Sony A7 Modelle schon viel Anklang bei verschiedenen Fotografen, aber mich überzeugten sie bis dahin noch nicht.

Allerdings stellte ich fest, dass ich beim Fotografieren dachte, jetzt wäre dieses Feature praktisch, jetzt wäre jene Funktion gut. Nur dass meine DSLR das nicht hatte und in absehbarer Zeit wohl auch nicht bekommen würde. Canon ist eher konservativ aufgestellt und hat lange Produktlebenszyklen. Das ist toll, wenn man sich an ein Konzept gewohnt hat, und es ist super für den Restwert der Fotoausrüstung. Bei Sony ist es eher das Gegenteil. Sie wechseln Systeme und bringen neue Konzepte in einer Geschwindigkeit, dass einem schwindelig werden kann. Die 3 Jahre alte Fotoausrüstung kann da plötzlich ein Fall für die Resterampe sein. Aber Sony ist innovativ. Sie haben mit der A7 nicht nur als erste ein Mirrorless-System im Kleinbildformat am Markt, es ist auch ein recht gelungenes Konzept. Dieses System vereint das Beste aus allen Welten.

Eigentlich mag ich Sony als Firma nicht. Das Unternehmen hatte in den letzten Jahren keinen besonders guten Ruf. Fujifilm finde ich eigentlich sympathischer. Die Fuji X-T1 ist eine tolle Kamera und die X-Objektive sind klasse. Aber letztendlich zählt doch die Sensorgröße und nur Sony bietet das volle Kleinbildformat in einer Mirrorless-Kamera. Und da sind wir eben im Sommer 2015 und es erscheint die Sony A7RII. Sie kann deutlich mehr als die Fujifilm X-T1, sie kann sogar in einigen Bereichen mehr als fast alle am Markt befindlichen Kameras. Zwei Tage nach Vorstellung der Kamera habe ich sie bestellt und seitdem befindet sie sich in meiner Fototasche. Ein Nebeneffekt ist, dass in der Fototasche auf einmal viel mehr Platz ist. Die Retrospective 7 war mit der DSLR-Ausrüstung meine kleine Tasche; mit der Mirrorless-Ausrüstung ist es nun meine große Tasche, wo die komplette Ausrüstung locker reingeht.

Wie auch immer, ich habe nun den Schritt gemacht und den Wechsel vollzogen. In Zukunft fotografiere ich nur noch Mirrorless. Die Zeit der DSLR ist für mich nun zu Ende gegangen. Wir hatten eine schöne Zeit. Goodbye DSLR!

Hier noch ein Artikel von Heise Foto zum Thema und ein Blick auf die gute alte Canon 5D zu ihrem 10. Geburtstag sowie auf die beiden Mirrorless-Kameras Fujifilm X-T1 und Sony A7RII, die für mich die neue Generation der Kameras darstellen.

 

 

11.10.2015

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7 comments

  • Roman Kampa 14.10.2015   Reply →

    Hallo Martin!

    Erstmal viel Spaß mit der Neuen!

    Sehr mutiger Schritt von Dir, zumal Deine 6D ja kürzlich offenbar mit einer 5 D (Mark III) ergänzt worden ist.

    Ich bin gespannt, ob es sich hierbei tatsächlich um ein endgültiges “ByeBye” handelt. Ich habe neben der 6D selbst Mirrorless-Systeme in Verwendung, die ich gerne für unterwegs nutze. Allerdings verwende ich den optischen Sucher nach wie vor – quasi zur Abwechselung – sehr gerne und will trotz der bereits sehr guten Alternativen absehbar nicht vollständig auf eine DSLR verzichten.

    Wenn dann bei “Mirrorless” ggf. der Frust über aus persönlicher Sicht fehlende Objektive, das AF-System, Firmenpolitik o. Ä. dazu kommt, könnte eine DSLR als zuverlässiges “Zweitsystem” Sinn machen, obwohl das Vorhalten zweier “Wechselobjektivsysteme” auf gewisse Art auch nerven kann…

    Ich bin gespannt auf Deine weiteren Artikel und hoffe auch weiterhin auf ehrliche Erfahrungsberichte!

    Ein treuer Blogleser

  • Martin 15.10.2015   Reply →

    Hallo Roman, danke für deinen Kommentar. Ich bin auch gespannt. Zurzeit bin ich sehr zufrieden und habe auch die passenden Objektive gefunden. Dennoch ist es ein großer Schritt für mich, mich von der Canon 6D zu trennen. Die Trennung von der 5DIII ist mir nicht schwer gefallen, die Kamera hatte ich in erster Linie für den Afrika-Einsatz als Zweitkamera bzw. als Kamera für das 100-400 angeschafft. Würde ich wieder nach Afrika fahren, würde ich mir auch wieder 5DIII+100-400 zulegen. Aber das ist eher die Ausnahme und Wildlife ist eigentlich nicht so mein fotografisches Sujet. Für die normale Alltagsfotografie und insbesondere für die Reisefotografie sehe ich mich mit der Sony Kamera eigentlich ganz gut gerüstet. Die Zeit wird zeigen, wie es dann läuft. Viele Grüße, Martin

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